Städtebau

Stimmen zum Schloss-Beschluss

05. Juli 2002 „Kleinmütig und ängstlich“: Mit dieser Bewertung der Schloss-Entscheidung steht Peter Conradi, der Präsident der Bundesarchitektenkammer, ziemlich einsam da. Die Mehrzahl derjenigen, die den Beschluss kommentieren, freut sich über das Schloss oder kann zumindest damit leben.

So zum Beispiel Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, der gleichwohl lieber „heutigen Architekten“ eine Chance gegeben hätte. „Rundum glücklich“ hingegen gibt sich der Berliner CDU-Landesvorsitzende Christoph Stölzl. Er hoffe jetzt, dass der Bundestag auch Bauherr wird, sagte er am Freitag der dpa: „Ein über zehn Jahre dauernder Kampf um etwas Selbstverständliches hat Erfolg gehabt. Wer Augen hat, der konnte sehen, dass das Herz der Stadt nicht schlagen kann, wenn das Jahrhunderte alte Bauensemble nicht wieder hergestellt ist.“

Auch Stoiber freut sich

Der Kanzlerkandidat der Union, Edmund Stoiber, sagte zu der Bundestagsentscheidung: „Ich freue mich. Berlin braucht den Bezug zur Tradition. Die Stadt ist so modern, und ihre historische Tradition kommt so wenig zum Tragen, weil so viel zerstört wurde.“ Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gab seine persönliche Vorliebe „für eine moderne Architektur in der historischen Kubatur des Schlosses“ bekannt , kann sich aber auch „eine historische Fassade vorstellen“.

Diese auch bezahlen will das Oberhaupt der ruinierten Stadt freilich nicht. Statt dessen übt sich Wowereit in der Kunst, die die Berliner noch immer am besten beherrschen: Er pocht auf Unterstützung anderer. Von der Arbeitsgruppe, die Bundesregierung und Senat eingesetzt haben, fordert er ein „realistisches Finanzierungskonzept“ für den Bau, dessen Kosten auf 670 Millionen Euro geschätzt werden. Denselben Ton wie Wowereit schlägt Berlins SPD-Chef Strieder an: Wenn der Bund, so Strieder in einem Zeitungsinterview, das Stadtschloss wolle, dann müsse er auch „die finanzielle Verantwortung übernehmen“.

Spender gesucht

Wilhelm von Boddien, der Vorsitzende des Fördervereins Berliner Stadtschloss, hat dagegen schon die Initiative ergriffen und am Freitag in fünf Zeitungen Anzeigen geschaltet, in denen er um Spenden für den Bau wirbt.



Text: @jöt
Bildmaterial: Förderverein Berliner Stadtschloss e.V.

 
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