Von Jordan Mejias
02. Juli 2008 Ist San Francisco noch zu retten? Die Stadt, die vor vier Jahren 83 Prozent ihrer Stimmen John Kerry gab und vom historischen Summer of Love bis zur Feier der Homoehe keine Gelegenheit auslässt, sich als linksliberal freisinnige Hauptstadt zu profilieren, will eine wichtige, im erweiterten Sinne sicher auch kulturelle, auf jeden Fall aber unerlässliche städtische Einrichtung nach George W. Bush benennen. Um genau zu sein, ist es die Presidential Memorial Commission of San Francisco“, eine bis dato noch kaum oder überhaupt nicht hervorgetretene Vereinigung, die bei der nächsten Wahl über ihr unleugbar erfinderisches Vorhaben abstimmen lassen will.
7168 Unterschriften wären nötig, um die Sache als Referendum vorzulegen, und es sollen inzwischen schon weit mehr zusammengekommen sein. Die Prüfung der Listen ist im Gange. Dass der Präsident sich entschließen könnte, für die Umbenennung auf dem Heimweg nach Texas einen kleinen Umweg an die Pazifikküste in Kauf zu nehmen, ist jedoch eher fraglich. Wahrscheinlich wäre er nur zu einem Abstecher auf inneramerikanisches Feindesgebiet zu überreden, wenn sein Name fortan die Golden Gate Bridge zieren dürfte. Selbst Alcatraz, die ehemalige Gefangeneninsel, käme aus Gründen, die allzu leicht unerwünschte Gedanken an ein anderes, immer noch aktives Gefängnis auf einer anderen Insel hervorrufen könnte, für eine Ehrung nicht in Frage.
Präsidiale Toiletten
Die Gedenkkommission ließ sich gleichwohl nicht entmutigen, und wenn sie auch ihre Gründung angeblich einer Kneipenlaune verdankt, ergeht sie sich jetzt in den schmeichelhaftesten Tönen über den bald scheidenden, deswegen zu ehrenden Amtsinhaber. Nicht übertönen können sie freilich, dass die Anlage, die einmal seinen Namen tragen könnte, ein Klärwerk ist, allerdings ein vorbildliches. Es hieße dann George W. Bush Sewage Plant“. Niemand wird den Abwasserentsorgungspalast als Variante einer Presidential Library missverstehen.
Dennoch werben die Befürworter der Gedenkstätte mit großem Pathos, dem es in diesem ungewöhnlichen Rahmen an Klarheit gewiss nicht gebricht, für ihre Idee. Jede Toilette in der Stadt, so versuchen sie auch ängstlichen Zweiflern klarzumachen, wäre dann ein Tempel für den Präsidenten und seine großen Taten in seinen acht Jahren als Oberster Befehlshaber. Fände das Referendum keine Mehrheit, wollen seine Verfechter trotzdem dafür sorgen, dass am 20. Januar, dem Tag des präsidialen Amtswechsels, Hunderttausende von Toiletten in San Francisco synchron gespült werden.
Text: F.A.Z.