Natürlich drängen sich symbolische Interpretationen bei diesem Bau an so unglaublich prominenter und zentraler Stelle in die Debatte. Aber man sollte ihnen nicht mehr Raum geben als unbedingt nötig.
Was vor allem zählt beim Berliner Schloss (nicht "Stadtschloss", denn welches andere Schloss gäbe es denn überhaupt in Berlin? Nein, Charlottenburg zählt nicht, denn das steht ja in Charlottenburg), ist die stadträumliche Ankerfunktion für das Linden-Ensemble und die Spree-Insel und natürlich die ästhetische Qualität der barocken Architektur. Diese "harten" Funktionen im Stadtgefüge und -bild haben nichts mit ("aufgesetzter") Symbolik zu tun.
Daneben zentral wichtig, natürlich: die "innere" Funktion des Neubaus, sein "Inhalt". Hier ist Herr Kilb auf dem rechten Weg, wenn er ganz pragmatisch nach geeigneten Räumen für die Berliner Museumsbestände fragt und umgekehrt danach, welche Bestände denn überhaupt das große Volumen angemessen und repräsentativ füllen können. Auch dies ist nicht Symbolik, sondern "echte" Funktion.
Wird es im Schloss-Bau eigentlich eine angemessene museale Präsentation der Geschichte dieses Ortes geben? Architektur- und zeitgeschichtlich? Vielleicht als Dependance des DHM? Ist das nicht geradezu zwingend?
Das Spenden-Sammeln des „Förderverein Berliner Schloss“ hat höchstens eine Alibi-Funktion. Tatsächlich wird der Bund und einige Länder die 500 Millionen Euro alleine aufbringen müssen. Die Frage, ob diese Summe besser andersowo angelegt wäre, drängt sich einem angesichts der Fragwürdigkeit des Vorhabens unwillkürlich auf.
Die Tatsache, dass die Architekten einen weiten Bogen um das Projekt machen, hängt nicht zuletzt mit der bedenklichen Geschichts-Haltung zusammen, die hinter dem Vorhaben steht. Man kann es in keinster Weise mit dem renovierten Zeughaus Unter den Linden vergleichen. Beim "Humboldforum" handelt es sich um die Wiederauferstehung eines längst vergangenen Bauwerks mit modernen Mitteln. Bauhistorisch betrachtet ist auch die angedachte Symbolwirkung in ihrer Naivität kaum zu überbieten!
Man sollte eine weitere library einrichten, in Erinnerung an den Gruender der Harvard Law School, Mitglied der preussischen Akademie der Wissenschaften, dessen meiste Buecher in Leipzig gedruckt wurden. So eine library koennte einerseits den Etat der Humbold Uni entlasten, andererseits waere es ein Anziehungspunkt ueber Berlins und Deutschlands Grenzen hinaus. Wer wars?