EM-Aufgebot

Das ist zugspitze!

Von Edo Reents

16. Mai 2008 Weil die nächste Bekanntgabe des Aufgebots immer die schwerste ist, hat sich der DFB für die Weltmeisterschaft 2010 schon etwas überlegt. Die Teilnehmer sollen in einem neuartigen, juristisch wasserdichten Verfahren ermittelt werden: Sämtliche deutschen Erstliga-Stammspieler werden in Schlauchbooten vor Kapstadt ausgesetzt und müssen dort so lange drinbleiben, bis die Haie sich satt gefressen haben und nur noch so viele übrig sind, wie man für die Verteidigung des dritten Platzes braucht.

Das hat Joachim Löw unmittelbar nach der Bekanntgabe des vorläufigen Europameisterschaftsaufgebots, welche die Erwartungen nicht erfüllen konnte, in vertraulichem Kreis durchsickern lassen. Er mache es nicht mehr mit, polterte der sonst so besonnene Bundestrainer, wenn ihm nach einer Vorbereitungsphase, die man sich auch einfacher vorgestellt hätte, die Hauptsache regelmäßig kaputtgeredet werde.

Mit stolz geschwellter Brust auf 2962 Metern

Am Ende, so Löw, komme es noch so weit, dass man das Turnier für wichtiger halte als das Vorgeplänkel. Auch dieses Mal habe die Leistung trotz gewisser Startschwierigkeiten gestimmt; man habe statt der vierundzwanzig Spieler, die auch schon gereicht hätten, sogar sechsundzwanzig benannt. Aber von jetzt an würden keine Geschenke mehr gemacht, für Südafrika werde man ohne Rücksicht auf die Befindlichkeit einzelner Spieler durchgreifen.

In der Tat war die Präsentation für Österreich und die Schweiz auf der geographisch pfiffig dafür ausgewählten Zugspitze, zu der nur sieben Fernsehsender zugelassen waren - der Fackellauf musste abgebrochen werden, weil die Flamme dort oben mehrmals ausgegangen war -, zu einem Langweiler ersten Ranges geraten, der die Mannschaft nun schon vor der EM in Abstiegsnöte bringt. Phantasielos wurden vor herrlicher Bergkulisse einfach die Namen vorgelesen, woraufhin, in Ermangelung der noch anderweitig beschäftigten Fußballer, Kinder mit der entsprechenden Rückennummer aufmarschierten und die DFB-Oberen abklatschten. Als Michael Ballack aufgerufen wurde und ein Junge vortrat, verstieg sich der Reporter zu dem Satz: „Mit stolz geschwellter Brust trägt er das Triktot des Kapitäns auf 2962 Metern Höhe spazieren.“ Dabei, so ereiferte sich Löw, habe doch jeder sehen können, dass dies gar nicht Ballacks Trikot gewesen sei, das wäre dem kleinen Stellvertreter doch viel zu groß gewesen! Fürs Turnier aber versprach Löw „Dynamik, Leidenschaft, Emotion, große Gefühle“. Quizfrage: Mindestens ein Wort ist in dieser Reihung überflüssig - finden Sie es heraus. Lösungen bitte an: edo.



Text: F.A.Z.

 
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