06. Februar 2009 Shakespeare“ ist jetzt ein App. Auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm meines mobilen Endgeräts glänzt er als Icon. Man kann ihn kostenlos bei Apples Herunterlade-Laden herunterladen, dann ist der ganze Shakespeare ein kleines Programm, ein App“ (gleich Application“) eben für mein iPhone. Nun habe ich also Shakespeares gesammelte Werke auf meinem Handy, zum Staunen auch des technikkritischsten Theaterkritikers mit Streicheleinheiten durchzublättern und so bequem zu lesen wie ein Taschenbuch, nein, bequemer, da es auch unter der Bettdecke oder in schummrigen Dichterkneipen funktioniert.
Während unter den Verlagen große Unsicherheit über das E-Book-Geschäft herrscht, das zunächst sehr große Investitionen verlangt – für den Aufbau einer Infrastruktur wie Server oder die digitale Erfassung von Backlist-Titeln –, verändert sich die Mediennutzung so rasant, dass einem schwindlig werden kann. Zur Leipziger Buchmesse präsentiert Sony, gemeinsam mit der Thalia-Kette, sein E-Book Reader“ (der Slogan Das Buch der Bücher“ kommt einem irgendwie bekannt vor). Amazon wird mit seinem Kindle“ bald nachziehen. Parallel werden die immer noch so genannten Telefone“ (unter anderem) zu E-Books aufgerüstet.
Das Regal bleibt dem Nostalgiker
Gestern kam die Nachricht, dass Google seine Buchsuche“ ab sofort auch weltweit mobil zugänglich macht. Mit dem iPhone kann man eine halbe Million Bücher, einschließlich aller lizenzfreien Klassiker, unterwegs laden und lesen. So fällt mit der grenzenlosen Mobilität ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des gedruckten Buches. Natura non facit saltus? Die Medienevolution macht gerade einen Tigersprung, dem mancher nicht wird folgen können. Immer mehr Inhalte werden, legal oder illegal, verfügbar, die Geräte leichter, lichter, in naher Zukunft badewannen- und strandtauglich – es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Buchbranche mit den gleichen Problemen konfrontiert sein wird wie die praktisch schon untergegangene Musikindustrie. Meine komplette Plattensammlung steht übrigens schon neben Shakespeare auf dem Touchscreen, in ein paar Jahren werden Bücherregale etwas für Nostalgiker sein. Papier ist das Vinyl von übermorgen.
Text: F.A.Z.
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