Koffer, alleinstehend

Herrenlose Koffer

Die Diskriminierung der Damen

Auf deutschen Bahnhöfen werden derzeit wieder zahlreiche verdächtige Gepäckstücke entdeckt. Stets heißt es, sie seien „herrenlos“. Doch so diskriminiert man die Frauen - und die Männer ebenso. Zeit, einen neuen Begriff zu finden.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. August 2006 15:09

Zur besseren Integration von Genderaspekten beim Auffinden von Bombenkoffern

Wilhelm Friedrich (WillyF)

Köstliche Persiflage! Aber ich wette mit Ihnen, dass es im linken Emanzen-Flügel von SPD und Grünen sicherlich immer noch einige Damen gibt, die sich über das Wort "herrenlos" schon seit Jahren ernsthaft Gedanken machen. Wie anders ist es zu erklären, dass für das überaus wichtige Thema des Gender Mainstreamings beim Besuch nordrhein-westfälischer Wälder im Jahre 2003 von der damaligen rot-grünen Landesregierung, die ja nun Gottlob vor einem Jahr das wohlverdiente Zeitliche gesegnet hat, ohne Sinn und Verstand ein mehrere 100.000 Euro teures Gutachten in Auftrag gegeben wurde?

Das Beispiel zeigt, dass die journalistische Phantasie manchmal noch durch die Realität getoppt wird.

Ich will aber auch nicht ausschließen, dass einige Damen bei SPD und Grünen auf den Gedanken kommen, ein Gutachten darüber in Auftrag zu geben, wie man den Gedanken des Gender Mainstreamings beim Auffinden von Koffern missglückter Bombenattentate zukünftig noch besser zum Ausdruck bringen kann - jedenfalls wenn es der Steuerzahler wieder einmal bezahlt.

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05. August 2006 14:41

was soll ich dazu sagen.............

Peter Neises (XGROBMOTORIKERX1)

..............ich denke, wir haben andere probleme zu lösen.......
oh man(n) ,sorry,oh frau,muss ich jetzt ein schlechtes gewissen haben wenn ich mir meinen herrenkuchen von Bahlsen kaufe?

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05. August 2006 11:55

Neuer Begriff: "frauenvoll" als Gegensatz zu "herrenlos"

Sophia Orti (rum)

Ist es im Besitz von jemand, ist dann "frauenvoll", sonst, "herrenlos".

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05. August 2006 11:07

Herrenlose Koffer

waltraud könner (WK-Lux)

Es ist nicht so abwegig, wofür sich Jörg Thomann z.T.
"prügeln" lassen muss. - Schon lange stört mich eine ähnliche Vokabel, die noch weit dominanter ist: HERRlich! - Nicht nur für eine gute Freundin ist HERRlich das Nonplusultra jeden Lobes, sondern allenthalben gehört dieses Adjektiv, gewohnheitsgeprägt zum gedankenlosen? Sprachgebrauch. - Dennoch käme gewiss niemand boshafterweise auf die Idee DÄMlich als Gegenstück zu verwenden obwohl; zum HERRn die DAME, oder? - Männlich und / oder weiblich gilt als die Regel (im Amtsdeutsch jedenfalls). FRAUlich begreift etwas außer diesem. - Warum also soll etwas besonders Schönes, Großartiges...ausdrücklich HERRlich und nicht (auch) femininabgeleitet sein? - Natürlich erklärt sich diese Prägung aus der MÄNNlichen Dominanz der Jahrtausende, die auch die Sprache(n) geprägt hat. Nur, im Zeitalter der Moderne, der sogenannten Gleichstellung /-berechtigung ist es so abwegig nicht, dem Volk, der Sprache genau(er) auf's Maul zu schauen.- Lob also der Analyse von HERRENlos! (und den Koffern) ;-) - WK-Lux

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05. August 2006 10:36

Pinscherin

Rud Haller (rodolfissimo)

An einer Sonntägin auf einer Bahnhöfin
stand eine Köffin rum
ohn Aufsichter, ganz damenlos.
Ei, eine Pinscherin,
frisch vom Lesen einer Artikelin aus einem Zeitunger
sich zu erleichtern hob das Beinchen hin.
Was war es bloser,
keine Tröpfin war zu sehn,
und lief am Bein der Saucer.

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05. August 2006 07:27

Auch eine Frau kann einem Etwas Herr werden

Frank Bach (Spindel)

Eine Mutter kann angesichts ihres 15-jährigen Sohnes seufzen: "Der ist in letzter Zeit so uneinsichtig, dem werde ich nicht mehr Herr!"

Ja, so schön ist unsere Sprache (noch).

Frank Bach

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04. August 2006 22:23

Endlich!

Jürgen Lensing (t_klei03)

Endlich sind alle echten Probleme auf der Welt gelöst!

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04. August 2006 21:39

Obsolet

Axel Stett (Axel.Stett)

Es sollte kein Problem darstellen, den oder die Koffer als derelinquiert zu bezeichnen, denn diese Eigenschaft ist es, die das simplifizierende "herrenlos" eigentlich meint. Neben dem kabarettistischen gibt es keinen weiteren Grund für eine Wortneuschöpfung, die Vermeidung des abwegigen (wenn auch vor 110 Jahren kodifizierten) Begriffes genügt.

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04. August 2006 21:24

Bitte mehr Gender-Respekt Frau Hocke

Michael Baleanu (SandalTolk)

Sie regen sich auf, dass die Sprache so stark mit männlichen Begriffen besetzt sei. Man(n) kann sicherlich daraus ableiten, dass er überlegene "soft skills" der Kommunikation besitzt.

Es ist bezeichnend wie verbissen dieser Kampf um gendergerechte Verteilung der Wörter gekämpft wird. Niemand beachtet aber die vollkommene Diskriminierung der Männer:

Beispiel:
Männer wie Frauen beginnen ihre Rede mit:
"Sehr geehrte Damen und Herren"
Dabei gebietet der gegenseitige Respekt der Geschlechter, dass Männer mit der obigen Formel, Frauen hingegen mit:
"Sehr geehrte Herren und Damen"
ihre Ansprache beginnen sollten.

Tun sie das Frau Hocke?

Scheinbar fehlt es manchen lautstark nach Geschlechtergerechtigkeit rufenden Damen an den einfachsten Benimmregeln bzw. Einfühlvermögen.

Immerhin hat dieser Artikel den vollkommenen Irrsinn der Debatten um die Geschlechtsausrichtung mancher Begriffe gezeigt. Und zwar in einer ironischen Weise.

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04. August 2006 21:19

Wie herrscht ein herr oder eine Dame über einen Koffer?

Daniel Kleiner (Kleinermann1)

Den Begriff herrenloser Hund versteht man.
Da herrscht aber das Herrchen über den Hund.Er gobt ihm Befehle usw.
Wie übt man die Herrschaft über einen Koffer aus?

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04. August 2006 21:12

Wie wäre es mit besitzerlos? Von wo kommt das Wort herrenlos eigentlich her?

Daniel Kleiner (Kleinermann1)

Ist jemnd Herr des Koffers? Was bedeutet das?Beherrscht er den Koffer?Herrscht er über den Koffer?
Also gehört der Koffer unter seine Herrschaft?
Ist er ein guter Herrscher über den Koffer?

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04. August 2006 20:50

Faszinierend

Thomas Schierwagen (GTreide)

Ich bin ein großer Fan der Gleichstellung....

Deshalb ist es auch ein großer Fortschritt, dass man sich endlich Gedanken über das Ersetzen solch anstoßerregend diskriminierender Worte macht....

Ebenso eine gute Idee ist natürlich die Einführung des Ampelfrauchens....

Aber all das geht noch bei weitem nicht weit genug...

Der Begriff "dämlich" ist bitte ebenso zu streichen wie die Begriffe "mannigfaltig" oder "herrlich"....

Aber leider verschließt sich vielen intolleranten deutschen Staatsbürgern und auch der Bundesregierung die wahrhaft gravierende Bedeutung dieser Art der Gleichstellung und Gleichbehandlung völlig.

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04. August 2006 20:30

Ein Genuß!

Kei Müller (keimue)

Ein herrlicher Artikel...und herrliche Reaktionen!
Der Mann wird die Frau übrigens niemals wie seinesgleichen behandeln, denn dazu hat er zuviel Respekt vor ihr. Auch sollte die Würde der Wörter gewahrt bleiben, zum Beispiel die der Ironie!

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04. August 2006 19:27

Herrenlosigkeit

Jörg A. Bahnemann (J.A.Bahnemann)

Ich gratuliere zu dem vorzüglichen Beitrag/In: die Sicherheit der Bürger/Innen in diesem unserem Lande ist aufs höchste gefährdet, weil sich das Geschlecht eines Koffers oder einer Kofferin nicht aus größerer Entfernung bestimmen läßt. Schlimmer noch: bis die "Bundesver-ordnung für die Behandlung damenloser Koffer oder Kofferinnen" die Gremien durchlaufen hat, können die Polizisten und Polizistinnen den Sprengstoff oder die Sprengstoffin nicht entschärfen.

Es scheint an der Zeit, die alten Verordnungen wieder zu aktivieren und in der Nähe von Bahnhöfen und Bahnhöfinnen mit der Aktentasche über dem Kopf oder der Köpfin Selbstschutz oder Selbstschützin zu suchen.
Ein fröhliches Horrido,

Jörg A. Bahnemann

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04. August 2006 18:33

Journalisten: Helft bei der Entrümpelung der deutschen Sprache!

Steffen Rupp (steffenrupp)

Schon Orwell erkannte, dass die Sprache stets der herrschenden Ideologie angepasst werden sollte. (vgl. "1984").

Etwas mehr Mühe und Sorgfalt zur Schaffung und Anwendung eines stets aktuellen "newspeak"-Wörterkanons können wir von Euch, unseren Journalisten, aber wirklich erwarten...

Damit die Leute nicht zu einfach zu z.B. diskriminiende oder anderweitig unerwünschte Gedanken verleitet werden...

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04. August 2006 18:23

An Frau Hocke

Gerhard Schloendorffer (schloendorffer)

Geschlechtsneutral? Dann fangen wir an mal mit:

die Macht
die Staerke
die Kraft
die Leistung
die Bewunderung
etc.
etc.

und das soll jetzt alles neutral werden?

das Macht
das Staerke
das Kraft
das Leistung
das Bewunderung
etc.
etc.

Aua!

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04. August 2006 18:22

Sprachgebrauch

Bernd Hafenberg (Bernie0711)

Frau Hora Zocke,
Ihre Sorgen möchte ich haben.....
Im übrigen: wenn immer noch so viele angeblich männlich dominierte Worte im Gebrauch sind, dann wird das schon seinen Grund haben.

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04. August 2006 18:16

ja wann nur?

Jörg Keller (malvis)

Nie!
Denn immer wieder werden sich Menschen finden, die in alles eine Geschlechtlichkeit hineininterpretieren, wo eigentlich keine ist.
So kommt es dann, dass man zuerst strikt trennt (der Leser und die Lerserin), um dann umso lauter die Gleichbehandlung zu verlangen.

Das nun auch noch Worte aus ihrem Sinnzusammenhang gerissen werden, nur damit Herr Thomann einen erbaulichen Text verfassen kann, gibt mir die Gewißheit, daß wir so schnell nicht zu einem Ende dieser Diskusion finden werden.
Und immer noch erwarte ich die eigentlich nicht zu vermeidende Wortschöpfung: die MenschIN .. na? wer traut sich?

Gruß

Joerg Keller

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04. August 2006 18:16

Penelope Cruz is an actor.

Fionn Huber (fionn)


Ja, "Bias" (ob politisch, rassistisch oder sexuell) ist - in den angelsächsichen Medien - verpönt bis tabu.

Out sind:
businesswoman, chairwoman, fireman, mankind, policeman, spokesman, Mrs, authoress, Jewess, poetess, actress, ambassadress, male model.

Correct sind:
business executive, chairperson, firefighter, humankind, police officer, spokesperson, Ms, author, Jew, poet, actor, ambassador, model.

Ergo, Penelope Cruz and George Clooney are both "actors".

P.S. Herrenlose Gepäckstücke = Unaccompanied baggage.

F. Huber (Ms)



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04. August 2006 18:01

So was blödes hätte ich bei der FAZ nicht erwartetet

Michael Doetsch (doetsch2)

mir fehlen die Worte..

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04. August 2006 17:56

Ich finde es nervtötend,

Jan Carlos Quistorf (Jan_Carlos_Quistorf)

dass man sich ständig um solche Unwichtigkeiten streiten muss! Kann es uns nicht egal sein, ob die Tiefs weibliche Namen haben? Warum gibt es eigentlich noch männliche und weibliche Artikel? Ist es nicht diskriminierend, wenn es die Sonne heisst? Machen wir es doch besser so: Alles heisst ab jetzt "das" und dann haben es die Ausländer auch leichter! Ist das nicht genial?
Aber wieder zur ernsthaftigkeit, die ja in dem ironischen Artikel Gott sei Dank nicht gegeben war (anderen Zeitungen hätte ich dies ohne Weiteres zugetraut), wenn wir schon alle so schön gleich sein wollen, dann appelliere ich doch an die Reporter und Moderatoren, dass nicht nur ein Mörder oder ein Dieb gesucht wird sondern ein Mörder oder eine Mörderin esucht wird! Soweit reicht der Gleichmachungswahn ja dann doch nicht, denn wir sind ja egoistisch...

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04. August 2006 16:23

missverstandene Diskriminierung

Thomas Seidel (Thomas.Seidel)

Der Begriff "herrenlos" kann gar nicht diskriminierend sein, er hat nämlich nichts mit dem "Herrn" im Sinne von Mann zu tun und ist so auch nicht diskriminierend gegenüber einer Frau.
Wie es das im Artikel bereits zitierte BGB herleitet, ist hier die Herrschaft über eine Sache gemeint, im lateinischen Sinn von "impera". Die im Deutschen gebräuchliche Anrede "Herr" wird zwar üblicherweise nur für Männer angewendet, bezieht sich aber nicht auf das Geschlecht der Person, sondern auf die Tatsache, daß es sich um einen eine Herrschaft ausübenden Menschen handelt. Insofern ist es vollkommen richtig bei einer Frau von der Herrin bzw. der Herrscherin zu sprechen, wobei letzteres im Sprachgebrauch eher Staatsoberhäuptern vorbehalten bleibt.

Thomas Seidel, Frankfurt

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04. August 2006 16:15

reasonable woman?

Thilo Brandner (schlevian)

Alan Patrick Herbert, Uncommon Law, 1959 (deutsche Ausgabe: Rechtsfälle-Linksfälle - Juristische Phantasien, 4. Aufl. 1984) hat das Problem bereits erkannt: In einem (fiktiven) Prozeß um einen Verkehrsunfall legt der Gerichtshof dar, daß im gesamten britischen Common Law immer wieder auf die Figur des "reasonable man" abgestellt werde, von einer "reasonable woman" aber nirgendwo die Rede sei. Weshalb, so folgert der Gerichtshof, die Regeln über gewöhnliche Sorgfaltsanforderungen und deren fahrlässige Verletzung auf Frauen von vornherein nicht anwendbar seien.

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