16. September 2008 Sie hat sich dann doch nicht in die Höhle des Löwen gewagt. Elche, wie zu hören und zu lesen, soll sie zwar vom Flugzeug aus abschießen, aber die Nähe der Raubtiere von New York hat sie lieber gemieden. Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, die als erste Vizepräsidentin die Amerikaner und die Welt das Fürchten lehren könnte, ließ sich bei der Eröffnung des Alaska House in New York entschuldigen. Kein Redner erwähnte auch nur ihren Namen.
Ein Skandal? Immerhin handelt es sich beim Alaska House um die einzige Einrichtung, die das Angebot des Bundesstaates in all dessen kultureller Vielfalt auch den Ostküstenbewohnern näherbringen und dadurch die wirtschaftlichen Bedingungen Alaskas, besonders seiner Ureinwohner in den entlegenen Siedlungen, verbessern will. Unterstützt von weiterhin wohlhabenden Hauptdarstellern der New Yorker Finanzszene, kündigt das Alaska House Kunstausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge und Symposien an, die es darauf anlegen, auch im dichten urbanen Dschungel eine Ahnung von endloser Weite und Offenheit zu wecken.
Kosmopolitisch als Unwort
In nichts aber unterschied sich die Eröffnungsparty von Vernissagen, wie sie sonst hier in Soho, wo Prada und Apple und all die anderen Trendmacher und -verwerter ein paar vereinzelte Galerien übrig gelassen haben, dem schicken Kulturkommerz huldigen. Das Publikum schwelgte in seiner kosmopolitischen Quintessenz. Apropos kosmopolitisch: Bevor die ehemalige Bürgermeisterin von Wasilla, Alaska, auf dem Wahlkongress der Republikaner so ungeheuer folgenreich das Wort ergriff, machte sich ein ehemaliger Bürgermeister von New York, New York, über all jene lustig, die nicht begreifen wollen, dass Amerika ländlich, nicht städtisch oder gar weltstädtisch denkt und fühlt und handelt und, noch wichtiger, wählt. Kosmopolitisch“ diente ihm dabei als Unwort. Dass dieser Hohn von einem geradezu geifernden Rudy Giuliani kam, wurde in dessen Heimatstadt New York als Witz der Saison verbucht.
Dass sich nun Alaska als aufgeklärte, künstlerisch neugierige, seine Traditionen kühn aufbrechende Gegend vorstellte und so das Bild, das seit wenigen Tagen die Gouverneurin des Staates im Land verbreitet, äußerst wirkungsvoll dementiert, war eine ebenso unerwartete wie erfrischende Erfahrung. Sarah Palin hätte nicht einfach darüber hinweglächeln können. Und die lebensgroße Eisskulptur eines Eisbären, die vor der Galerie im sommerlichen Septemberwetter unbarmherzig dahinschmolz, schien Kritik an einer Politikerin zu üben, der die Klimaerwärmung nicht einen einzigen Schweißtropfen auf die Stirn und unter den Dutt treibt.
Text: F.A.Z.