Von Konstanze Crüwell
14. März 2008 Eitel Sonnenschein herrschte im Städel-Museum: Gestern, an einem mehrfach gepriesenen denkwürdigen Tag, bekam das Haus zweihundertzehn museumswürdige Werke von sechsundsiebzig internationalen Künstlern aus der renommierten DZ-Bank-Sammlung zeitgenössischer Fotografie geschenkt. Städeldirektor Max Hollein durfte aus sechstausend Fotoarbeiten seine Auswahl treffen, die dauerhaft und uneingeschränkt dem Museum überlassen wird. Eigentümerin im juristischen Sinne ist eine GmbH, an der Städel-Museum und Bank beteiligt sind - eine offenbar angenehm steuersparende Lösung. Geschäftsführer sind Hollein und Luminita Sabau, die von Anfang an die 1993 gegründete DZ-Bank leitet.
Liebhaber prominenter Namen sollten im Städel bald auf ihre Kosten kommen: Die Struffskys, Thomas Struth, Thomas Ruff und Andreas Gursky, sind ebenso mit wichtigen Arbeiten vertreten wie Richard Avedon, die Bechers und die Blumes, Gilbert & George, Mapplethorpe, Sigmar Polke, Richard Prince oder Hiroshi Sugimoto. Sabau schätzt aber auch die ironische Konzeptkunst der Louise Lawler, Sybille Bergmanns tragikomischen Zyklus vom Scheitern des Marx-Engels-Denkmals oder Santiago Sierras schreckliche Bilder einer bezahlten Massentätowierung. Dass von Araki nicht die üblichen Fesselungen, sondern traurig geknickte Blumen ins Museum kommen, macht froh.
Eine DZ-Bank-Galerie für die neuen Werke
Große Freude also bei Schenkern und Beschenkten, die kaum getrübt wird, als bei der Pressekonferenz die berechtigte Frage auftaucht, warum die DZ-Werke nicht ins Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) gelangt seien, das schon lange seine bedeutende Fotosammlung ausbaut. Kulturdezernent Felix Semmelroth blieb mit seiner Antwort, das MMK sammle vor allem auf die Zukunft hin, und das Geschenk der DZ-Bank bereichere die Kulturstadt Frankfurt insgesamt, ziemlich vage: Eine Lösung des Problems, dass zwei Museen in Frankfurt (das ja deutlich kleiner als New York ist) mittlerweile gleichermaßen und konkurrierend zeitgenössische Kunst sammeln, scheint leider nicht in Sicht.
Für die Fotokunst wird im Erweiterungsbau des Städels eine DZ-Bank-Galerie eingerichtet. Weniger gut ist der Plan, dass am 17. Juni eine Jubiläumsausstellung der vor 125 Jahren gegründeten DZ-Bank mit einem Querschnitt durch deren Fotosammlung im Städel-Museum eröffnet wird. Soviel Bank im Museum muss nicht sein. Sehnsucht kommt auf nach den bürgerlichen Frankfurter Privatsammlern, die ihr Mäzenatentum noch nie mit dem Ziel des Imagetransfers verbanden.
Text: F.A.Z., 14.03.2008, Nr. 63 / Seite 41
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