17. November 2004 Zunächst war da doch ein wenig Verwirrung. Die Pressestelle der Berlinale konnte sich nicht äußern, die Leiterin der Sponsoring-Abteilung ebensowenig. Festivalchef Dieter Kosslick war gerade unterwegs in Tokio, um sich Filme anzuschauen, und bevor man der Presse etwas sagen konnte, mußte erst eine Sprachregelung her, nachdem Sat.1 als Hauptsponsor der Berlinale ausgestiegen war, nach sieben Jahren. Man wolle seine Kräfte für eigene Vorhaben bündeln, hieß es aus dem Unternehmen (siehe auch die Meldung auf der Medienseite). Die Berlinale dagegen hatte am Mittwoch nachmittag noch immer keine Meinung.
Wenn man sich allerdings umhört, kommt der Ausstieg nicht allzu überraschend. Kenner hatten schon im letzten Jahr damit gerechnet, weil auch der Privatsender in der allgemeinen Medienkrise sparen muß. Und es ist auch kein Geheimnis, daß die Berlinale bereits in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem neuen Hauptsponsor steht. Wer das ist, sagt natürlich keiner.
Sicher ist nur, daß der Sender ein praktischer Partner war. Sat.1 hatte das Festival mit Logistik unterstützt, sein Zugpferd Anke Engelke für die Moderation der Eröffnungsgala ausgeliehen und Berichte vom roten Teppich geliefert, die für etwas Glamour sorgen sollten. Jetzt flattern also keine bunten Ballons mehr. Panik muß deshalb nicht ausbrechen. Von dem Zehn-Millionen-Budget des Festivals werden sechseinhalb von der Bundesregierung beigesteuert, seit das Festival als sogenannter Leuchtturm in die Bundeskulturförderung überging, und den Übergang vom Sponsor Mercedes zum Sponsor VW hat Dieter Kosslick auch zügig bewerkstelligt. Nach dem Sponsor ist vor dem Sponsor.
PETER KÖRTE
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2004, Nr. 270 / Seite 40
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