Von Marcus Jauer
20. Juli 2008 Wer sich die Auslandsreise von Barack Obama anschaut, dem fällt auf, dass drei der Stationen offensichtlich in so heiklem Gebiet liegen, dass das Programm weitgehend geheim gehalten werden musste.
Die erste der Stationen war Afghanistan, wo Obama am Samstag eintraf und amerikanische Truppen besuchte. Die Sicherheitslage dort ist offenbar noch immer so instabil, dass das Fernsehen von diesem Besuch nur verwackelte Filmchen zeigen konnte, die aussahen, als habe sie einer der Wahlkampfberater mit seinem Mobiltelefon aufgenommen.
Die zweite Station ist der Irak, in dem die Situation bekanntermaßen noch viel angespannter ist, weshalb noch kurz vor Obamas Ankunft nicht klar war, ob er das Land überhaupt besucht.
Berlin ist vermintes Gebiet
Die dritte Station ist Berlin. Anders als in Afghanistan und dem Irak haben die örtlichen Behörden hier weniger sicherheits- als vielmehr symbolpolitische Bedenken. In den Ohren amerikanischer Wahlkampfstrategen mag das läppisch geklungen haben, inzwischen dürfte man aber auch im Stab von Obama begriffen haben: Berlin ist vermintes Gebiet, jeder Schritt kann hier falsch sein.
So war es erst unter Mithilfe des Kanzleramtes gelungen, den außenpolitisch noch unerfahrenen Kandidaten von einer Rede vor dem Brandenburger Tor abzubringen. Dass sich das symbolische Gewicht eines Ortes, an dem Milchbauern, Taxifahrer, Kassenärzte sowie eine große deutsche Autofirma für ihre Belange geworben haben, nicht mit der Erregung des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes verträgt, leuchtete Obama schließlich ein.
Let's party! an der Siegessäule
Stattdessen wolle er nun vor der Siegessäule sprechen, heißt es in lange unbestätigten Meldungen. Offenbar nahm er an, seine Rede kollidiere dort nicht mit der Symbolik des Ortes, hatte sich an der Stelle bisher doch nur ein gewisser Dr. Motte an eine Million halbnackter Raver gewandt, um mit den Worten Let’s party!“ die Love Parade“ zu eröffnen.
Glücklicherweise konnte am Sonntag der FDP-Politiker Rainer Brüderle den Kandidaten noch per Zeitungsinterview belehren, dass die Säule für die deutschen Einigungskriege Ende des neunzehnten Jahrhundert errichtet und erst von Adolf Hitler an ihren jetzigen Ort versetzt wurde. Sie sei für ihn das Symbol deutscher Überlegenheit“ gewesen. Man kann nur hoffen, dass Obama die Nachricht rechtzeitig erreicht. Besser vielleicht, er verzichtet auf den Besuch in Berlin. Dort lauert an jedem Platz der Geist eines Vornutzers in den Kulissen. jau
Text: F.A.Z.