Gossip: Music for Men
Sony Music, 1 CD, ca. 10 Euro
Als die US-Frauenband Gossip im Mai und Juli in Deutschland auf Konzerttour ging, geisterte Sängerin Beth Ditto vor allem als neue Muse des Modedesigners Karl Lagerfeld durch die Medien: Dass die stark übergewichtige Ditto ausgerechnet vom offenbar magersüchtigen Lagerfeld als neue Fashion-Ikone gefeiert wurde, sorgte als kurioser Gegensatz für ordentliche Aufmerksamkeit.
Viel spannender ist jedoch das neue Gossip-Album Music for Men: Eine furiose Mischung aus Punk, Rock'n'Roll, Disco und Soul, hervorragend produziert von Altmeister Rick Rubin. Zusammengehalten wird die starke Platte von der Stimme Beth Dittos, die nicht zu unrecht mit Janis Joplin, Aretha Franklin und Tina Turner verglichen wird.
www.gossipyouth.com/de
Michael Jackson: The Stripped Mixes
Universal, 1 CD, ca. 17 Euro
Auf den ersten Blick ist diese Platte eine Unverschämtheit: Wenige Wochen nach Michael Jacksons Tod veröffentlicht Universal einen Remix der größten Erfolge der Jacksons - jene Hitmaschine der beginnenden siebziger Jahre, deren Leadsänger Michael Jackson im Kindesalter war. Unter dem Motto Reduktion auf die Stimme wurden die Originalbänder vom üblichen Pop-Ballast wie knarzenden E-Gitarren und peitschendem Schlagzeug befreit.
Übrig geblieben ist ein dezenter Basslauf, gelegentliche Pianoakkorde, der Harmoniegesang der Jackson-Brüder und natürlich die glasklare Stimme von Michael. Geschäftemacherei auf den Wellen der spektakulären Todesnachricht ist das sicher auch. Aber zugleich ist The Stripped Mixes ein wunderschönes Remix-Album geworden, auf dem Hits wie I'll Be There, ABC oder Ain't No Sunshine durch die pure Mischung tatsächlich viel besser zur Geltung kommen.
www.pure.de/motown
Moby: Wait For Me
Ministry O, 1 CD, ca. 15 Euro
Nach seiner Disco-Hommage Last Night aus dem vergangenen Jahr kehrt der New Yorker Musiker Moby, dem 1999 mit seinem Elektropop-Hit Why does my heart feel so bad der Durchbruch gelang, nun wieder zu seinen elektronischen Anfängen zurück: Mobys neues Album Wait for me ist eine überwiegend aus sphärischen Elektroklängen bestehende Scheibe von melancholisch bis düsterer Stimmung geworden.
Einzig der Titel Mistake ist ein mitreißendes Uptempo-Stück mit Hitpotential. Insgesamt hält Moby trotz aller Unkenrufe, die der Platte vorausgingen, die ihm gewohnte Qualität: Eine hervorragende Scheibe zum Chillen.
www.moby.com
Julia Marcell: It Might Like You
Sellaband, 1 CD, ca. 14 Euro
Die Musik der polnischen Songwriterin Julia Marcell kommt unaufdringlich daher - und wirkt damit umso intensiver: Ein Klavier, ein paar Streicher und manchmal ein sanft stampfendes Schlagzeug. Mehr braucht sie nicht, um ihre Pianoballaden zum Leben zu erwecken.
Mit ihrer ebenfalls unspektakulären, aber wunderbaren Stimme erzählt sie vor allem von sich selbst und ihren Empfindungen. Und das in einer unprätentiösen Sprache, ohne dabei abzuheben. Das Album It Might Like You, das Julia Marcell selbst mit Fanspenden über eine Online-Plattform zur Veröffentlichung trieb, ist eine Entdeckung wert.
www.juliamarcell.com
Lenka: Lenka
Sony Music, 1 CD, ca. 13 Euro
Dass die erste Single der australischen Sängerin und Songwriterin Lenka in den USA gleich für mehrere Werbespots und eine TV-Comedy als musikalische Untermalung gebucht wurde, sagt viel über Lenkas Stil aus: Er will vor allem gute Laune machen. Fröhlich, jauchzend, verzaubert kommen Lenkas Lieder daher und erinnern dabei immer wieder an den Lollipop-Pop der Sixties.
Seicht ist das ebenfalls Lenka betitelte Album deshalb keineswegs. Wer bezaubernden Songwirter-Pop mag, den man immer wieder hören kann, ist mit diesem Debüt gut bedient. Es bleibt spannend, wie sich Lenkas Karriere nun fortentwickelt.
www.lenkamusic.com