26. Mai 2006 Die Zahl der Akademikerinnen, die kinderlos bleiben, ist deutlich geringer, als bislang angenommen wurde. Das ist das Ergebnis einer neuen Auswertung einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Studie liegt seit Anfang 2005 vor, wurde jetzt aber vom DIW noch einmal differenzierter ausgewertet.
Abermals zeige sich dabei, daß nur etwa 25 Prozent der Akademikerinnen kinderlos blieben, sagt Christian Schmitt, Wissenschaftler am DIW. Wer behauptet, 38, 40 oder gar 45 Prozent der Akademikerinnen in Deutschland blieben kinderlos, der gibt deutlich zu hohe Zahlen an.
DIW: Kein Gebärstreik der Akademikerinnen
Die Zahl kinderloser Akademikerinnen sei lange überschätzt worden, weil man Geburten nach Vollendung des 35. Lebensjahres nicht ausreichend gezählt habe. Außerdem seien im Mikrozensus jene Kinder, die das Elternhaus schon verlassen haben, nicht hinreichend berücksichtigt worden. Inzwischen bleiben insgesamt mehr als 20 Prozent aller Frauen in Deutschland kinderlos. Aber auch bei einem solchen Anteilswert ist Deutschland immer noch weit davon entfernt, zu einer ,kinderlosen Gesellschaft' zu werden, heißt es im Wochenbericht des DIW.
Bei Frauen aus den alten Bundesländern, die ein Universitätsexamen oder den Abschluß an einer Technischen Universität besitzen, liegt die Kinderlosigkeit deutlich über dem Durchschnitt. Schmitt warnt aber davor, von einem Gebärstreik der Akademikerinnen zu sprechen: Egoismus und Karrierestreben sind nicht der Grund, sondern entscheidend ist der späte Abschluß der universitären Ausbildung.
Ein Zeitfenster von wenigen Jahren
Nach dem Examen wollten die Akademikerinnen ihre Investitionen in die Ausbildung in eine stabile Arbeitsmarktposition umsetzen. Vielen Frauen bliebe nur ein Zeitfenster von wenigen Jahren, um das erste Kind auf die Welt zu bringen. Fehle in dieser Zeit ein Partner, dann blieben diese Akademikerinnen trotz Kinderwunsch kinderlos.
Nach einer neueren Studie des Max-Planck-Instituts für Demographie in Rostock zur Situation in Schweden, entscheidet nicht der Grad der akademischen Bildung darüber, ob der Kinderwunsch erfüllt wird, sondern die Art des Berufes. Frauen, deren Beruf viel Flexibilität und Zeit fordert, bleiben demnach überdurchschnittlich häufig kinderlos. Haben Frauen dagegen Berufe, die es ihnen erlauben, neben der Arbeit Kinder zu betreuen, ist die Kinderlosigkeit deutlich geringer. Eine niedergelassene Ärztin bliebe demnach seltener kinderlos als die Abteilungsleiterin in einer Unternehmensberatung.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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