Erinnerung an die Vertreibung

Merkel will „sichtbares Zeichen“ der Erinnerung

Erika Steinbach weiß Merkel auf ihrer Seite

Erika Steinbach weiß Merkel auf ihrer Seite

19. September 2006 Bundeskanzlerin Merkel hat sich abermals für ein „sichtbaren Zeichens“ der Erinnerung an Flucht und Vertreibung Millionen Deutscher in der Kriegs- und Nachkriegszeit ausgesprochen. Die Erinnerungsstätte „an angemessenem Ort“ in Berlin werde, so konkretisierte die Kanzlerin erstmals das Vorhaben, „die Merkmale Dokumentation, Vernetzung und Versöhnung vereinen“.

In dem gegenwärtigen deutsch-polnischen Konflikt um die Bewertung der Vertreibung vermißt die CDU/CSU-Fraktion konstruktive Beiträge polnischer Intellektueller. Er fürchte, so der parlamentarische Geschäftsführer Koschyk (CSU), „einen Rückschlag“ in den Beziehungen beider Länder. Der Fraktionsvorsitzende Kauder (CDU) sprach am Montag bei einer Gedenkveranstaltung der Unionsfraktion unter dem Titel „60 Jahre Vertreibung - 60 Jahre Wege zur Versöhnung“ zudem von „unangemessenen Reaktionen“ der polnischen Regierung auf die Rede des Bundespräsidenten beim „Tag der Heimat“. Koschyk kritisierte die Abberufung des polnischen Botschafters Andrzej Byrt aus Berlin. Man habe Byrt, der sich erstmal mit Vertriebenen an einen Tisch gesetzt habe, regelrecht „aus dem Verkehr gezogen“ und „mundtot“ gemacht. Kauder sagte zu der gegenwärtigen Debatte, es werde nicht „Unrecht zu Recht, weil es auf Unrecht reagiert“.

Viele Vertriebene als „Brückenbauer“ gewürdigt

Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, erhielt Gelegenheit, die Ausstellung der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ vorzustellen, die derzeit in Berlin gezeigt wird. Man wolle mit dem geplanten Ausstellungs- und Dokumentationszentrum „die Opfer von Vertreibungen und Genozid dem Vergessen entreißen“, sagte Frau Steinbach und verlangte „Wahrhaftigkeit“ beim Blick auf das zurückliegende Jahrhundert.

Historiker und Publizisten diskutierten während der Veranstaltung unter anderem über das Fortwirken der Diffamierung, die Vertriebene in den siebziger und achtziger Jahre als „Revanchisten“ erfahren hätten. Diese Kampagnen seien heute noch fruchtbar. Der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Bergner (CDU), sagte, ihn wundere, daß ausgerechnet diejenigen, die nun in Polen besonders ausdrücklich mit dem Kommunismus brechen wollten, nun „die Argumente Stalins“ verwandten.

Der Historiker Arnulf Baring sagte, die Äußerungen polnischer Politiker seien „ein Teil polnischer Selbstvergewisserung, die man ertragen muß, aber nicht gutheißen kann“. Alle Redner erinnerten daran, daß viele Vertriebene seit Jahrzehnte ganz individuell als Brückenbauer um Ausgleich und Versöhnung bemüht seien, die Kanzlerin lobte dies in ihrer Rede als „wesentlichen Beitrag zum geeinten Europa“.

Text: pca. / F.A.Z., 19.06.2006
Bildmaterial: dpa

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