Dass Frau Schavan ihre katholische Vergangenheit nun als Etikett missbraucht, um in der Öffentlichkeit eine Vereinbarkeit von christlichem Menschenbild und Aufweichung des Embryonenschutzes zu suggerieren, ist schlichtweg unverschämt. Zwar streiten wohl auch Ethiker verschiedener Konfessionen über dieses Thema; die Ministerin als prominenteste und am häufigsten zitierte "Theologin" in der Debatte sollte aber gerade deshalb eine gewisse Zurückhaltung wahren. Anstatt ihre Meinung durch Berufung auf die eigene Ausbildung quasi zur einzig wahren zu erklären, könnte Frau Schavan wenigstens die divergierenden Positionen zur Sprache bringen - wobei die meisten Theologen hierbei nicht ihrer Ansicht zuneigen - und dann erläutern, warum sie keine theologisch-ethischen Bedenken gegen eine Verschiebung des Stichtags und deren mögliche Konsequenzen hegt.