Kanzler-Erinnerungen

Kohl drohte Gorbatschow mit Abreise

16. Juli 1990: Kohl mit Gorbatschow im Kaukasus

16. Juli 1990: Kohl mit Gorbatschow im Kaukasus

11. November 2007 Bei den entscheidenden Gesprächen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow über die Vereinigung der beiden deutschen Staaten wäre Bundeskanzler Kohl auch zu einer vorzeitigen Abreise bereit gewesen.

Das berichtet Helmut Kohl im dritten Band seiner in Kürze erscheinenden „Erinnerungen“ (Droemer Verlag, München). Einen Vorabdruck des Kapitels, in dem der damalige Bundeskanzler in allen Einzelheiten die Verhandlungen beschreibt, die den Weg zur deutschen Einheit ebneten, wird an diesem Montag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht.

Die Verhandlungen fanden im Juli 1990 in Moskau und in einer Datscha Gorbatschows im Kaukasus statt. Kohl wollte erreichen, dass die Sowjetunion einer uneingeschränkten Souveränität des vereinten Deutschlands und dessen Mitgliedschaft in der Nato zustimmt. Nach der ersten Gesprächsrunde in Moskau habe er zu Gorbatschow gesagt, wenn das nicht zu erreichen sei, wäre es besser, nicht in den Kaukasus, sondern wieder nach Hause zu fliegen, schreibt Kohl. Ohne sich festzulegen, habe Gorbatschow geantwortet: „Wir sollten fliegen.“ In diesen Augenblick, so Kohl, habe er gewusst, „dass wir es schaffen würden“.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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