Innere Sicherheit

Polizeischutz für Islamwissenschaftler

19. Oktober 2005 Der islamkritische Publizist und Orientalist Hans-Peter Raddatz erhält nach einem als Gebet formulierten möglichen Mordaufruf in dem Internetportal "Muslim-Markt.de" umfassenden Personenschutz durch deutsche Sicherheitsbehörden. "Die Erfahrung zeigt aber, daß Öffentlichkeit der beste Schutz bei solchen Drohungen ist", sagte Raddatz der F.A.Z.; nachdem die Staatsanwaltschaft Oldenburg nach Medienberichten über das von Fachleuten wie der Marburger Islamwissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann als Morddrohung interpretierte "Gebet" Ermittlungen angekündigt hat, prüft nun auch die Justiz in Wiesbaden, ob es sich bei dem Text um eine Morddrohung gegen Raddatz handelt.

Auf der von dem türkischstämmigen und in Delmenhorst lebenden Ingenieur Yavuz Özogus betriebenen Internetseite für deutschsprachige Muslime war am 9. September in einem Diskussionsforum zu einem "Gebet" gegen Raddatz aufgefordert worden. In dem Text hieß es: "Wenn der Islam so ist, wie Raddatz es immer wieder vorstellt, dann möge der allmächtige Schöpfer alle Anhänger jener Religion vernichten! Und wenn Herr Raddatz ein Haßprediger und Lügner ist, dann möge der allmächtige Schöpfer ihn für seine Verbrechen bestrafen und diejenigen, die trotz mehrfacher Hinweise auf die verbreiteten Unwahrheiten von Raddatz immer noch darauf bestehen, auch." Inzwischen ist auf der Website der Name Raddatz durch die Buchstaben "XXX" ersetzt worden, allerdings mit dem Zusatz versehen: "An den Stellen, an denen jetzt kein Name mehr steht, war der Nachname eines für seine Haßpredigten gegen den Islam und die Muslime bekannten und berüchtigten Autors eingefügt."

„Gebetsvorschlag“

In einer Presseerklärung zu den Vorwürfen weist Özoguz die Vorwürfe zurück und spricht von einem "Gebetsvorschlag" an einen islamkritischen Forumsteilnehmer, der sich auf Raddatz berufen hatte. In diesem "Gebetsangebot" werde ein islamisches Prinzip, das auf den Propheten Mohammed zurückgehe, angewendet, die sogenannte "Mubahala", schreibt Özogus. Bei einer "Mubahala" verwünschen sich im Streit um die Wahrheit beide Seiten gegenseitig und überlassen es angeblich Gott, darüber zu entscheiden, wer recht hat und wer bestraft wird. Dieses "Mubahala-Prinzip" stelle ausdrücklich die "friedliche Lösung eines irdisch unlösbaren Konfliktes durch ein gegenseitiges Gebet" dar, so Özogus. "In dem Gebet wird zweifelsfrei darauf verwiesen, daß nicht der Mensch, sondern Gott allein eine Strafe - und erst im Jenseits - ausübt."

Die Wiesbadener CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler, Islamismus-Berichterstatterin der Unions-Fraktion im Innenausschuß, "beeindruckt diese Erklärung überhaupt nicht". In etlichen Beiträgen im "Muslim-Markt" sei Raddatz in der Vergangenheit als Haßprediger gegen den Islam genannt worden. Die Behauptung Özogus', "Allah entscheidet erst im Jenseits, leuchtet uns Christen erst einmal ein". Das sei aber keine islamische Denkweise: "Islamisten sehen sich als Vollstrecker des Willens Allahs auf Erden. Der Aufruf ist schon von dieser Welt." Frau Köhler forderte das Innenministerium als Konsequenz auf, das Internetportal "Muslim-Markt" zu verbieten. "Diese Leute mißachten das Gewaltmonopol des Rechtsstaates, und sie pervertieren die Religionsfreiheit des Grundgesetzes."

Raddatz, der den Islam für eine im Kern aggressive und intolerante Religion hält, lehnt ein Verbot indes als Lösung im Kampf gegen Islamisten ab: "Eine Schließung der Seite bringt gar nichts." Die von Islamisten dominierten Vertretungen der Muslime in Deutschland müßten vielmehr endlich die demokratischen Spielregeln und das Gewaltmonopol des Staates anerkennen. "Wir müssen endlich einen Dialog mit dem Islam führen, der diesen Namen verdient. Dazu muß man die Differenzen, die uns trennen, eindeutig benennen. Vor allem in der Religionsfreiheit und der Gleichbehandlung der Geschlechter."

Verfassungsschützer beobachten den "Muslim-Markt" schon seit langem. So taucht das Internetportal und ihr schiitischer Betreiber Özoguz, der an der Universität Bremen angestellt ist, unter anderem in den Jahresberichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Landesamtes Niedersachsen 2004 wegen antisemitischer Volksverhetzung und islamistischer Propaganda auf.

Der Sprecher von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte, die Universität Bremen müsse sich fragen, ob sie als Träger von Kultur und Geist jemanden beschäftigen könne, der "in dieser Weise hetzt" oder "Kritiker in dieser Weise der Vernichtung entweder durch Menschen oder durch Gott preisgibt".

Text: holl., F.A.Z., 20.10.2005, Nr. 244 / Seite 4

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