
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger, möchte sich noch nicht auf konkrete Reformzusagen festnageln lassen
17. Oktober 2008 Lehramtsstudiengänge haben in Deutschland künftig verbindliche Studieninhalte und werden auch von den Ländern untereinander anerkannt. Darauf hat sich die Kultusministerkonferenz (KMK) in Saarbrücken geeinigt. Unter Mitwirkung der jeweiligen Fachverbände hat sie die Anforderungen an Fachwissen und -didaktik von Lehrern festgelegt, die in Deutschland gelten sollen.
In Zukunft könne ein Lehramtsstudium mit einem Staatsexamen anstelle eines Bachelor (BA) oder Master (MA) abgeschlossen werden, kündigte die Präsidentin der KMK, die saarländische Kultusministerin Kramp-Karrenbauer (CDU), an. Entscheidend sei nicht der Abschluss, sondern die Zahl der erreichten Studienpunkte (ECTS-Punkte).
Kein Minnesang für Realschullehrer

Nicht jeder angehende Lehrer wird sich im Studium mit der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit befassen müssen
Damit wurden nach den Bildungsstandards für die Schüler auch Standards für die Lehrerbildung beschlossen. Neben einem fachspezifischen Kompetenzprofil haben die Kultusminister für das Lehramtsstudium für die Sekundarstufe I und eine vertiefende Behandlung der Stoffe für die Sekundarstufe II die Studieninhalte in Stichworten festgelegt sowie Methoden und Didaktik zusammengefasst.
Nur für Gymnasiallehrer sind dabei vertiefte Kenntnisse der literaturgeschichtlichen Entwicklung sowie ältere deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit vorgesehen.
Gemeinsame Ziele sollen schnell umgesetzt werden
Bis zum Jahr 2010 wollen die Länder Voraussetzungen formulieren, unter denen der allgemeine Hochschulzugang für Meister, Techniker, Fachwirte und Inhaber gleichgestellter Abschlüsse ermöglicht und der fachgebundene Zugang zur Hochschule für beruflich Qualifizierte nach erfolgreichem Berufsabschluss und dreijähriger Berufstätigkeit eröffnet wird.
Wenige Tage vor dem Bildungsgipfel haben die Kultusminister an die Ministerpräsidenten appelliert, die konkreten Ziele wie die Halbierung der Zahl der Schulabbrecher und der Jugendlichen ohne Berufsausbildung in den kommenden fünf Jahren zu beschließen. Außerdem will die KMK, dass Sprachstandserhebungen von Schulanfängern bis 2010/2011 in jedem Land verbindlich eingeführt sind. Wichtig sei, dass sich Bund und Länder auf gemeinsame Ziele verständigten und die Zuständigkeiten und Finanzierungsfragen klärten, sagte Frau Kramp-Karrenbauer.
Oettinger will keine bindenden Vorgaben
Unterdessen hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger (CDU) dagegen gewehrt, sich beim Bildungsgipfel auf konkrete Reformzusagen festlegen zu lassen. Es dürfe nicht um bindende Vorgaben gehen. Eine Festlegung auf eine Halbierung der Schulabbrecherzahlen sei nicht sinnvoll. Im Südwesten liege die Zahl der Schulabbrecher unter Berücksichtigung der Sonderschüler schon bei 5,9 Prozent.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Saarlands Kultusministerin und Präsidentin der Kultusminsterkonferenz forderte Bund und Länder auf, sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen
Mit der Föderalismusreform I habe der Bund seine Mitwirkungsrechte bei der Bildung größtenteils an die Länder abgetreten, deshalb müsse die Finanzierung der Bildungspolitik Aufgabe der Länder bleiben. Oettinger bekräftigte seine Forderung, den Ländern einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer zu überlassen.
Streit um Versorgungszulagen für Auslandslehrer
Ausgeschert war Baden-Württemberg auch aus der Finanzierung der Versorgungszulage für Auslandslehrer. Bisher hatten sich Bund und Länder die finanziellen Aufwendungen für Auslandslehrer geteilt. Nun wollte sich Baden-Württemberg, das 20 Prozent der Auslandslehrer entsendet, nicht mehr daran beteiligen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dazu, die Länder nähmen das Auslandsschulwesen offenbar nicht mehr als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund und Ländern wahr. Die Entsendung nach außen habe die Lehrer besonders motiviert und führe zu einer sichtbaren Beteiligung der Länder an der Außendarstellung der Bundesrepublik.
Die Kultusministerkonferenz hat in Saarbrücken nun beschlossen, dass es beim bisherigen Verfahren bleiben soll, und den baden-württembergischen Kultusminister Rau (CDU) gebeten, eine entsprechende Klärung mit dem Stuttgarter Finanzministerium herbeizuführen.
Ländervergleiche in Sprachkompetenz
Darüber hinaus haben die Kultusminister beschlossen, sich auch im Jahre 2011 an der internationalen Leseuntersuchung Pirls/Iglu sowie an der internationalen Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie Timss zu beteiligen. Die Untersuchung wird dann zum ersten Mal für alle drei Bereiche gleichzeitig durchgeführt. Die deutsche Stichprobe soll 4500 Schüler und 200 Schulen umfassen.
Außerdem hat die KMK sich in Übereinstimmung mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung dagegen entschieden, an den Erhebungen zur Sprachenkompetenz im Rahmen der europäischen Untersuchung teilzunehmen, da in Deutschland schon im Jahr 2009 die Fähigkeiten in Englisch und Französisch als erster Fremdsprache in der Sekundarstufe I durch einen Ländervergleich überprüft werden.
In einer Erklärung anlässlich ihres sechzigjährigen Bestehens hat die Kultusministerkonferenz ihren Willen bekräftigt, weiterhin ländergemeinsame Absprachen und Regelungen zu treffen, ohne hierbei den Spielraum für länderspezifische Regelungen aufzugeben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa