13. November 2006 Unter dem Protest von mehreren hundert Atomkraftgegnern hat der Castor-Transport am Montag morgen das niedersächsische Atommüll-Zwischenlager Gorleben erreicht. Dies teilten Polizei und Atomkraftgegner mit.
Die Tieflader mit den zwölf Castor-Behältern mit hoch radioaktivem Atommüll hatten gegen 04.30 Uhr die Umladestation in Dannenberg verlassen. Gegen 06.00 Uhr erreichten sie dann Gorleben. Hunderte Atomkraftgegner hatten versucht, den Transport auch auf dem letzten Streckenabschnitt zu behindern. Bereits seit der Abfahrt des Castors in Frankreich am Freitag abend hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer hat seine Teilnahme bei den Anti-Castor-Protesten verteidigt. Seit der rot-grünen Regierungszeit habe sich eine entscheidende Sache geändert, sagte Bütikofer am Montag im Bayerischen Rundfunk. Durch den Antrag auf Laufzeitverlängerung beim Atomkraftwerk Biblis A hätten die Atomkonzerne deutlich gemacht, daß sie den Atomkonsens nicht einhalten wollten. Diese Laufzeitverlängerung widerspräche Geist und Buchstaben des Atomausstiegvertrages und des Atomausstieggesetzes. Und da sagen wir uns: Wenn die Atombefürworter meinen, sich an geschlossene Verträge und an Gesetze nicht halten zu müssen, dann muß man ihnen auch deutlich machen, daß es dagegen Widerstand gibt, betonte der Grünen-Politiker.
Wasserwerfer gegen die Blockierer
Mehrere Menschen hatten sich am Sonntag abend an Betonblöcken angekettet, um die Weiterfahrt des Castor-Transports über die Straße zu verhindern. In der Nähe des Verladekrans in Dannenberg nahmen den Aktivisten zufolge etwa 400 Menschen an einer Sitzblockade der Südstrecke teil. Weitere 350 Menschen blockierten die Nordstrecke. Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace kletterten auf Bäume und hängten Plakate auf. Die Polizei räumte jedoch die Blockaden, damit der Transport sich auf die letzte, knapp 20 Kilometer lange Etappe machen konnte. Auf dem letzten Teilstück setzte die Polizei nach Angaben der Atomkraftgegner Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.
Bereits seit der Abfahrt des Castors in Frankreich gab es im niedersächsischen Wendland zahlreiche Protestaktionen, darunter eine große Demonstration am Zwischenlager am Samstag mit nach Polizeiangaben 3000 Teilnehmern. Die Veranstalter sprachen sogar von mindestens 6000 Menschen, die sich an dem Protest beteiligt hätten. Hinzu kamen Treckerkorsos und kurzzeitige Straßenblockaden.
Bereits 68 Castorbehälter in Gorleben
Der Atommülltransport war am Freitag abend von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague aus losgefahren und hatte am späten Samstag abend die deutsche Grenze erreicht. Zuvor wurde er auch auf französischer Seite zeitweise von Atomkraftgegnern aufgehalten.
In den zwölf jeweils mehr als 100 Tonnen schweren Transportbehältern wurden insgesamt 175 Tonnen Atommüll nach Deutschland zurückgebracht. Es handelt sich um abgebrannte Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken, die im französischen La Hague für die Endlagerung vorbereitet wurden. In Gorleben existiert dafür ein Zwischenlager, in dem bereits 68 Castoren lagern. Ob der benachbarte Salzstock als Endlager in Frage kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Kernkraftgegner fürchten, daß die Anlieferung von immer mehr Castor-Behältern in Gorleben auch den Druck erhöht, hier das Endlager zu bauen.
Text: AFP
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS