Dokumentation

Platzecks Rücktrittserklärung

Platzecks Erkrankung war ernster als zunächst bekannt

Platzecks Erkrankung war ernster als zunächst bekannt

10. April 2006 Er habe seine Kräfte überschätzt, sagt der gesundheitlich angeschlagene Matthias Platzeck. Die Wochen nach dem Rücktritt als SPD-Chef will er seiner Genesung widmen. Dann gelte seine ganze Aufmerksamkeit der Landespolitik in Brandenburg. FAZ.NET dokumentiert Platzecks Rücktrittserklärung in Auszügen:

„Ich mußte in den letzten Tagen die sicherlich schwierigste Entscheidung meines bisherigen Lebens treffen, nämlich die, auf dringenden ärztlichen Rat den Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands niederzulegen.

Wir haben uns beide, Kurt Beck und ich, am Reformationstag des letzten Jahres aufgemacht, zu verhindern, daß unsere Partei in einen Strudel gerät. Wir wollten durch gemeinsame Arbeit in dieser schwierigen Phase stabilisieren. Und wir wollten vor allen Dingen vermeiden, daß die Verhandlungsposition der SPD in den Koalitionsverhandlungen zur großen Koalition irgendeine Schwächung erfährt (...).

Erster Hörsturz zum Jahreswechsel

Uns beiden lag und liegt sehr daran, daß diese große Koalition in Berlin zustande kam und daß sie in Deutschland gute Arbeit leistet. Wir haben danach die Koalitionsverhandlungen gemeinsam mit geführt, einen guten Koalitionsvertrag aushandeln können, und ich glaube, wir können heute sagen, daß die Regierung der großen Koalition einen guten Start in Deutschland hatte. (...)

Ich mußte zum Jahreswechsel erste gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen. Es gab einen ersten Hörsturz. Ich habe ihn nicht ernst genommen. Ich habe am 11. Februar, am Nachmittag, einen Kreislauf- und Nervenzusammenbruch gehabt. Ich habe sieben, acht Tage gebraucht, bis wieder alles richtig tickte.

„Habe meine Kräfte überschätzt“

Ich habe den Ratschlägen meiner Ärzte seinerzeit nicht Folge geleistet, habe am 29. März einen nächsten Hörsturz erlitten mit erheblichem Verlust auch des Hörvermögens. Es gibt noch einige andere Begleiterscheinungen in diesem Kontext.

Auf jeden Fall ein Bild, das keinen anderen Entscheid, wenn man verantwortlich handeln will und wenn man respektiert, daß viele Menschen in der Partei und außerhalb mit unserem Tun auch Hoffnungen verbinden, daß es keine andere verantwortliche Entscheidung gab, als dieses nicht auf die Spitze zu treiben, sondern einen Strich zu ziehen.

Ich bedauere zutiefst, daß ich übertragener Verantwortung und gerne wahrgenommener Verantwortung nicht weiter gerecht werden kann. Ich habe meine Kräfte in November, das muß ich heute rückblickend einräumen, überschätzt. Ich gehöre allerdings zu den Menschen, die etwas ganz oder gar nicht machen. Es hat aber keinen Sinn gemacht, weiter gegen die Wand zu laufen.

Ganze Kraft für Brandenburg

Ich werde mich in den nächsten Wochen bemühen, die Gesundheit wieder einigermaßen in Takt zu bekommen. Ich werde mich dann mit ganzer Kraft meinem Land, meinem Land Brandenburg, ein Land, das sich noch mitten im Umbruch befindet, widmen. Ich werde meiner Partei, deren Anliegen stets auch meine Anliegen waren und sind, weiterhin engstens verbunden bleiben.

Lassen Sie mich von Herzen Kurt Beck danken. Ich habe mit Kurt Beck letzte Woche den eben geschilderten Sachverhalt besprochen. Kurt Beck war bereit, die Verantwortung in unserer Partei als Vorsitzender zu tragen. Das Präsidium hat dazu eben einen einstimmigen Beschluß gefaßt. Ich bitte die Mitglieder meiner Partei, sich eng um Kurt Beck zu scharen.“

Text: ddp
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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