Stoibers erzwungener Rücktritt

„Kreuth hat mir wehgetan“

Stoiber: “Ich bin ja auch ein Mensch“

Stoiber: "Ich bin ja auch ein Mensch"

29. August 2007 Wenige Wochen vor seinem Rückzug aus Parteivorsitz und Staatskanzlei hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erstmals öffentlich eingestanden, seine Ämter nicht freiwillig zur Verfügung gestellt zu haben. Die Umstände seines Rücktritts auf der entscheidenden Klausurtagung in Wildbad Kreuth im Januar seien nicht schön gewesen, sagte der dem Magazin „Stern“. „Kreuth hat mir wehgetan. Ich bin ja auch ein Mensch.“

Stoiber sagte, er habe in Kreuth seine Ämter nicht von sich aus zur Verfügung gestellt und auch niemanden für die Nachfolge vorgeschlagen. „Jeder wusste, dass ich noch zwei, drei Jahre diese Ämter ausfüllen wollte, um dann auch an der Spitze einen Generationenwechsel einzuleiten“.

„Locker noch zwei oder drei Jahre“

Seinem Abtritt von der politischen Bühne Ende September blickt Stoiber mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es wird sicherlich einen Abschiedsschmerz geben.“ Dennoch habe er die Zeit nach seiner Rücktrittsankündigung als Bereicherung empfunden. „Ich konnte gestalten, aber ohne das Muss, die persönliche Macht zu behalten.“

Amtsmüde sei er aber noch längst nicht, sagte Stoiber. „Ich bin jetzt in einer Phase, da könnte man das locker noch zwei oder drei Jahre machen, aber es muss nicht unbedingt sein.“ Er glaube, dass es die sehr langen Regierungszeiten künftig so häufig nicht mehr geben werde, weil die Politik hektischer und kurzlebiger geworden sei.

Für die Zeit nach dem Abtritt habe ihm der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) Mut gemacht, sagte Stoiber. Sinngemäß habe Schily ihm geschrieben: „Sie werden es nicht glauben, auch das Leben ohne Politik kann sehr schön sein.“ Das klinge doch gut, sagte Stoiber. In seiner Freizeit wolle er sich künftig viel Zeit für Freunde, zum Skilaufen und zum Lesen nehmen. „Was mich wieder sehr interessieren würde, sind die Lebenserinnerungen von Bismarck.“

Text: dpa
Bildmaterial: ddp

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