Porträt Franziska Drohsel

Linkswendig, sattelfest und durchsetzungsfähig

27. November 2007 Im Angesicht des Erfolgs wirkte es fast so, als wäre ihr der dazugehörige Beifall etwas unangenehm. Gerade hatte der Juso-Bundeskongress Franziska Drohsel mit 76 Prozent der Delegiertenstimmen zur neuen Vorsitzenden gewählt; sie erreichte das beste Ergebnis seit der Linkswende des Verbandes 1969.

Die 27 Jahre alte Berlinerin verzichtete auf triumphale Gesten - zumindest so gut es ging. Pose und Politikerduktus scheinen ihr nicht sehr zu liegen. Die neue Juso-Vorsitzende redet schnell und drauflos; auch wenn sie dem Parteivorsitzenden Beck und vor allem seinem Stellvertreter Steinmeier vor dem versammelten Bundeskongress für OEF-Beteiligung, Agenda 2010 oder Koalitionskompromisse die Leviten liest. Manchmal verheddert sie sich und bringt ihre Sätze dann - etwa bei der Kritik am Außenminister - mit einem „Ähm, ja, vielen Dank“ zu Ende.

In der Sache, das hört man auch von Altvorsitzenden der Jungsozialisten, ist Franziska Drohsel sattelfest und durchsetzungsfähig. Doch wird ihr nachgesagt, sie trete nie so auf, dass sie es sich dadurch mit ihren politischen Gegnern verscherzte. Frau Drohsel ist Mitglied in der „Roten Hilfe“, einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation, die sich als „Solidaritätsorganisation“ zur Unterstützung politisch Verfolgter „aus dem linken Spektrum“ beschreibt. Energisch lehnt sie plumpen Antiamerikanismus und einen unangemessenen Ton in der Kritik an Israel ab. Als Kompromisskandidatin der großen linken Strömungen innerhalb der Jusos hat sie in den Bewerbungsrunden durch die Landesverbände auch ihre Theoriefestigkeit unter Beweis stellen müssen.

Fest in ihrer Haltung ist Franziska Drohsel, die seit 1995 Jungsozialistin und seit 2001 SPD-Mitglied ist, auch: Sie steht klar auf der linken Seite des selbsterklärten „linken Richtungsverbands“. Die Juristin, die über „Vereinbarkeit von betrieblichen Bündnissen mit der Koalitionsfreiheit“ promoviert, hat sich als zentrales Projekt die Öffnung der Jusos zu anderen linken Bewegungen - etwa „globalisierungskritischen Organisationen oder Gewerkschaften“ - auf die Fahne geschrieben. Die ehemalige Vorsitzende des linkslastigen Berliner Juso-Landesverbands will gegen Rechtsextremismus eintreten und für eine „Umverteilungspolitik“. Zu einer Zusammenarbeit der SPD mit der Linkspartei im Bund sagt sie zurückhaltend, sie sei für einen „offenen Umgang mit Blick auf inhaltliche Gemeinsamkeiten und Differenzen“. Als Mitglied im Berliner SPD-Landesvorstand hat die im Stadtteil Steglitz aufgewachsene Jura-Doktorandin auch schon praktische Erfahrung in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Linkspartei-Politikern gesammelt.

Auch wenn die Zeiten vorbei zu sein scheinen, in denen die Vorsitzenden der linken Jusos bloß in die Beiboote des SPD-Mutterschiffs verfrachtet wurden: Eine Politikerkarriere strebt Franziska Drohsel zumindest nicht um jeden Preis an. „Ich möchte erst einmal als Juristin arbeiten“, sagt sie. Dazu passt irgendwie auch der friedensbewegte Einstieg in die Politik - als sie gegen französische Atomtests im Mururoa-Atoll protestierte.



Text: F.A.Z., 28.11.2007, Nr. 277 / Seite 12
Bildmaterial: dpa

 
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