14. Oktober 2008 Die Linksfraktion hat den Schauspieler Peter Sodann als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl im nächsten Jahr nominiert. Das bestätigte ein Sprecher der Partei Die Linke nach einer Fraktionssitzung am Dienstag in Berlin. Der 72 Jahre alte Schauspielers tritt damit am 23. Mai gegen Amtsinhaber Horst Köhler und SPD-Kandidatin Gesine Schwan an. Fraktionschef Oskar Lafontaine sagte, Sodann sei in mehrfacher Hinsicht ein guter Repräsentant Deutschlands.
Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung gilt er allerdings als chancenlos bei der Wahl. Jedoch verschlechtern sich mit seiner Bewerbung die Chancen für Schwan, die auf Stimmen der Linken angewiesen ist. Möglich ist aber, dass Wahlleute der Linkspartei in einem zweiten oder dritten Wahlgang der Hochschulprofessorin ihre Stimme geben. Auch Bundespräsident Köhler muss somit um sein Amt bangen, da Union und FDP als Unterstützer seiner Wiederwahl in der Bundesversammlung nur über eine hauchdünne Mehrheit verfügen. Sodann war bereits 2005 kurzzeitig für eine Bundestagskandidatur für die Linkspartei im Gespräch gewesen. (siehe auch: Peter Sodann tritt doch nicht für die PDS an sowie Peter Sodann: Ein allzu Ehrlicher)
Gysi und Lafontaine favorisierten angeblich eine Frau
Die Parteichefs Lothar Bisky und Lafontaine hatten in den vergangenen Tagen den geschäftsführenden Parteivorstand und eine Konferenz der Landesvorsitzenden über den Kandidatenvorschlag informiert. Angeblich hatten die mit der Suche betrauten Lafontaine und Gregor Gysi ursprünglich eine weibliche Kandidatin gewinnen wollen. Gespräche seien angeblich unter anderem mit der Schauspielerin Hanna Schygulla, der Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, und mit der Autorin Daniela Dahn geführt worden. Frau Käßmann wies am Dienstag allerdings zurück, dass mit ihr gesprochen worden sei.
Sodann ist dem Fernsehpublikum durch seine Rolle als Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher bekannt. In 45 Tatort-Folgen spielte er den Leipziger Kommissar 15 Jahre lang. Im November 2007 lief die letzte Folge mit Sodann. 1999 hatte die damalige PDS bereits mit Uta Ranke-Heinemann eine eigene Kandidatin zur Bundestagswahl aufgestellt. Die Theologin und Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann scheiterte aber. Trotz Chancenlosigkeit nach dem ersten Wahlgang trat sie damals zum zweiten Wahlgang an, in dem Johannes Rau zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.
Peter Sodann:
- wurde am 1. Juni 1936 in Meißen geboren
- studierte in den 1950er Jahren in Leipzig zunächst Jura und dann an der Theaterhochschule
- wegen staatsfeindlicher Hetze wurde er Anfang der 1960er verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt, die Strafe dann auf vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt
- sein erstes Theaterengagement führte ihn 1964 an das Berliner Ensemble
- er arbeitete als Schauspieler, Regisseur und Schauspieldirektor in Erfurt, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Magdeburg und Halle
- in Halle baute er aus einem alten Kinosaal das neue Theater auf, dem er als Intendant bis 2005 vorstand
- wollte 2005 bereits für den Bundestag kandidieren, machte aber kurze Zeit später einen Rückzieher, weil er seine Rolle als TV-Kommissar nicht aufgeben wollte
- bekannt wurde er in ganz Deutschland mit der Rolle des MDR-Tatort-Kommissars Bruno Ehrlicher, den er in 45 Folgen von 1991 bis 2007 verkörperte
- zu seinem 65. Geburtstag wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet
- am 23. Februar 2006 wurde Sodann Ehrenbürger der Stadt Halle
- ist in zweiter Ehe verheirate und Vater von vier Kinder
Text: FAZ.NET mit Reuters/dpa
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.