
u.a.@wolf doleys In regelmäßigen Abständen wird die "Allgemein-Bildungsfrage" von "Bildungsbürgern" aufgeworfen, das niedliche Schweinderl durchs Dorf getrieben. Nachdem über die vielfältigen Sachzwänge des beruflichen Erfolgs ordentlich debattiert und etwas gescherzt wurde, wird das Schweinderl dann doch gegrillt und genüßlich verspeist. Ja, a bißerl denken sollte man/frau schon können, schaden kann's net. Denn Bildung ist die subjektive Seite der Kultur, gemeint der Hochkultur. Kaum ausgesprochen, zerbricht der Konsens der Bildung oder was man dafür halten könnte. Wie fühlen Hirn und Herz? Ja, was sollte nicht alles gelesen werden - von Homer bis Zappa? Was nicht alles gehört und gesehen - die 1000 ultimativen Musikstücke und Hörspiele, die 1000 bahnbrechenden Filme, die unzähligen kultischen Kurzfilme? Die Errungenschaften und Erfindungen der Natur- und Ingenieurwissenschaften? Und was gibt es als Existenziale, was leistet Soziologie, neuzeitliche Philosophie und Spiritualität? Was könnte der gebildete Homo symbolicus denn sein? Bildung wäre, pointiert gefasst, eine weltoffene, wertsensible Haltung mit geschärftem Krisenbewusstsein. Auf der anderen Seite des Ufers winken die Glückseligen. Winken Sie einfach zurück.

"Was ist eigentlich Bildung?" Die Gesamtheit der Myriaden wohlverarbeiteter und gewichteter Informationen, die es dem Individuum erlauben, sein Leben in zutreffender Selbsterkenntnis und nicht zu wenig Umweltkenntnis eigenständig zu gestalten. Dazu tragen Wirtschaftskenntnisse sehr viel, Kunst, Oper, Theater und Romane seit 1960 eher wenig bei; Geschichte, Anthropologie, Zoologie und Biologie können ein tragendes Fundament legen. Bei fast alledem ist die FAZ die segensreiche alma mater des Alltags.

Was ich sehr tragisch finde, dass trotz ausgezeichneter Bildung vielen Extraspezialisten, letzte Vertreter des deutschen Bildungsbürgertums sind im Alter von Richard von Weizsäcker. Was meine ich damit, Lebensstil, Knigge Regeln, Elleganz und kultiviertes Leben. Es ist wirklich erstaunlich, die Einheitsschule in UdSSR bildete vermögensarmes aber stillbewusstes Bürgertum, welches eigentlich Ende der UdSSR in 90 Jahren vorbereitet hat. Aber immer noch, bürgerlicher Lebensstil wird in russischen akademischen Familien immer gepflegt, , die Schule sorgt auch dafür, dass die Kinder Theater und Museen besuchen. Und das alles neben der Fachausbildung. Es ist auch so genanntes Salonleben, jetzt aber eher unter Ex-Russen in Berlin und München. Und es gibt solche Menschen auch in neuen Bundesländern. In alten und unter einheimischen scheint es vorbei zu sein. Eine bittere Erkenntnis hatte auch meine Tochter gemacht, sie ist jetzt in Korea, aber normal sie studiert in Frankfurt: „Papa, komische Beobachtung, jedes Mensch der sich für etwas über seine Klausuren hinaus interessiert hat mindestens einen ausländischen Elternteil, oder kommt aus neuen Bundesländern.

ich werde in mich gehen! dass das 'dass' oben im zitat (im text, nicht in der ueberschrift) nicht mit anfuehrungszeichen beim restsatz dabeisteht scheint mir ein hinweis darauf, dass das 'das' in der ueberschrift moeglicherweise vom verfasser kommt - trotz der gaensefueschen. sie nehmen ja einiges ausgesprochen ernst. ;>)

Die Kommentare der Leser gewisser populärer Zeitungen bieten einen beunruhigenden Einblick in das Unwissen vieler erwachsener Deutscher, von absichtlich eingeschleusten Fehlinformationen durch linke Parteigänger und absurden Verschwörungstheorien einmal ganz abgesehen. Die Ignoranz vieler Bundesbürger auf dem Gebiet des Wirtschafts- und Finanzwesens ist geradezu erschreckend. Der deutsche Durchschnittssparer scheint offenbar die Illusion zu hegen, dass sein Geld sich irgendwo im Keller der Bank befindet.

Ein Z i t a t aus einem 150 Jahre alten Brockhaus als Stellungnahme zu diskreditieren, zeigt, das etwas fehlt: "Bildung", als das Ergebnis von Lese- und Einordnungskompetenz.

„Auf das der Mensch seine Bestimmung erkenne“ - kalauer, oder?