01. Oktober 2004 Auch Jahre nach dem Mauerfall wandern noch viele Ostdeutsche in den Westen ab: Im Jahr 2003 zogen 155.400 Menschen aus den neuen in die alten Bundesländer, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zwischen 1991 und 2003 sind damit mehr als zwei Millionen Ostdeutsche nach Westdeutschland gezogen.
Seit zwei Jahren registrieren die Statistiker jedoch einen rückläufigen Trend. So zogen im vergangenen Jahr 21.000 weniger Menschen von Ost nach West als 2002. Die umgekehrte Richtung wählten 97.000 Menschen, 1.000 mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des Bundesamtes zogen seit 1991 rund 1,2 Millionen Menschen von West nach Ost. Damit verlor der Osten insgesamt 848.200 Einwohner an Westdeutschland.
Bayern ist das beliebteste Ziel
Nach wie vor kehren vor allem junge Menschen ihrer Heimat den Rücken: Von den Ostdeutschen, die im vergangenen Jahr ihre Heimat in Richtung Westen verließen, waren den Angaben zufolge über die Hälfte zwischen 18 und 30 Jahre alt, nur neun Prozent waren 50 Jahre oder älter. Zu den beliebtesten Zielländern zählten 2003 Bayern mit 22 Prozent der Zugezogenen aus dem Osten sowie Baden-Württemberg und Niedersachsen mit jeweils rund 17 Prozent.
Der Rostocker Professor für Demographie, Reiner Hans Dinkel, sprach von einer weiterhin dramatischen und beispiellosen Entwicklung, auch wenn sich die Zahlen auf hohem Niveau entspannt hätten. Problematisch sei insbesondere die weiterhin hohe Zahl von jungen Menschen, die Ostdeutschland auf der Suche nach Arbeit verließen, sowie die insgesamt fehlenden Zuzüge nach Osten.
Den Weggang bremsen
Nach Einschätzung von Fachleuten ist die Abwanderung vor allem für die ostdeutsche Wirtschaft weiter ein großes Problem. Darum gibt es nun Versuche, die Menschen in Ostdeutschland zu halten. Die Agentur mv4you" soll im Auftrag des Schweriner Wirtschaftsministeriums Kontakt zu in den Westen abgewanderten Fachkräften halten und den weiteren Weggang abbremsen.
Eine ähnliche Initiative gibt es auch in Sachsen. Dort haben Unternehmer in der Lausitz gemeinsam mit der dortigen Industrie- und Handelskammer einen Verbund Sachse komm zurück mit dem Ziel gegründet, den Fachkräftebedarf der Firmen zu sichern und Abgewanderte zurückzugewinnen. Die Industrie- und Handelskammern in Ostdeutschland befürchten trotz hoher Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren einen Mangel an Facharbeitern und Ingenieuren.
Text: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters
Bildmaterial: dpa