Lob von Gerhard Schröder

SPD hat mit Steinmeier den Besten ins Rennen geschickt

Von Günter Bannas

Gerhard Schröder wird Kanzlerkandidat Steinmeier im Wahlkampf unterstützen

Gerhard Schröder wird Kanzlerkandidat Steinmeier im Wahlkampf unterstützen

16. September 2008 Ganz gewiss ist, dass Gerhard Schröder mit dem Verlauf der Dinge an der Spitze der SPD zufrieden ist. „Ich bin stolz auf meine Partei, die mit Frank-Walter Steinmeier den Besten für dieses wichtige Amt des Bundeskanzlers ins Rennen schickt“, hat er in der vergangenen Woche in der sozialdemokratischen Zeitung „Vorwärts“ geschrieben. Spätestens seit Januar, als sich Schröder bei der Jahresanfangsklausur des SPD-Vorstands in Hannover sehen ließ, ist diese seine Sicht der Dinge bekannt.

Es war eine Hymne, die Schröder nun über Steinmeier verfasste, der ihm in seinen Jahren als Ministerpräsident Niedersachsens und dann als Bundeskanzler als Kanzleichef die Geschäfte geführt hatte. „Ich habe an Frank Steinmeier schon immer geschätzt, dass er auch zunächst unlösbar erscheinende Probleme angeht und mit Zähigkeit und Kreativität für die schwierigsten Themen Lösungen herbeiführen kann.“

Schröder wird Steinmeier im Wahlkampf unterstützen

Schröder, das wussten oder ahnten Führungsleute in der SPD, unterstützte Steinmeiers Kandidatur. Ob er an der innerparteilichen Demontage des nun zurückgetretenen SPD-Vorsitzenden Beck mitgewirkt hatte, beschreiben manche als „intransparent“. Eine prägende Rolle hat er nicht gespielt.

Schröder wird Steinmeier im Bundestagswahlkampf unterstützen. Selbstverständlich ist das nicht. Der frühere Kanzler ist wählerisch. Im niedersächsischen Landtagswahlkampf hat er dem dortigen SPD-Spitzenkandidaten Jüttner, einem internen Widersacher von früher, nicht geholfen, was auch mit der Bemerkung begründet wurde, wie es de

nn aussähe, wenn Schröders Auftritte über die Maßen gut, jene Jüttners aber schlecht besucht seien. Im hessischen Wahlkampf Andrea Ypsilantis war Schröder nicht aufgetreten. Seinen Freund Michael Naumann, ehedem sein Kulturstaatsminister im Kanzleramt und im Februar Hamburger Spitzenkandidat, hat er hingegen aktiv unterstützt.

Union fordert, Schröder wegen Mitarbeit bei Gasprom auszuladen

Bei manchen in der SPD geht die Hochstimmung nun so weit, dass sie gar äußern, sie würden sich freuen, „wenn Gerhard Schröder wieder aktiv in die Politik eingreifen würde“. So weit wird es nicht kommen, wenn unter „aktiver Politik“ mehr verstanden werden sollte als Wahlkampfreden oder Auftritte auf Veranstaltungen. Müntefering sollte ein zweites Mal SPD-Vorsitzender werden. Doch Schröder wieder Bundeskanzler? Kürzlich sprach Schröder bei der Arbeiterwohlfahrt über Russland-Politik. Demnächst tut er das auf einer Veranstaltung des Umweltministeriums über Energiepolitik. Weitere werden in diesem Herbst folgen. Der Subtext soll lauten, die SPD sei stolz auf ihre Kanzler und deren Politik.

Doch gibt es auch die Kehrseite, wie sich in Forderungen aus der Union zeigte, Umweltminister Gabriel solle den Freund Putins und den Mitarbeiter Gasproms wieder ausladen. SPD-Wahlkampfplaner wissen, dass Schröders Eingreifen in den Wahlkampf dessen Themen verschieben könnte - weg von Steinmeier nach 2009 hin zu der Politik vor 2005. Schon setzen sich Urteile fest, Steinmeier verhalte sich rhetorisch wie einst Schröder. Schröder war Wahlkämpfer genug, als dass er solche Gefahren nicht kennte.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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