RAF-Terror

„Täter nicht verherrlichen“

„Ich war auch mal in der RAF”

„Ich war auch mal in der RAF”

19. Oktober 2007 Innenminister Wolfgang Schäuble hat angesichts der am Wochenende geplanten Gedenkfeiern für verstorbene RAF-Terroristen ein Ende der Täter-Verherrlichung gefordert. „Die brutale Mordkampagne der RAF erinnert uns an die hässliche Fratze des Terrorismus. Und einmal mehr versuchen Ideologen, die grausamen Täter zu verherrlichen“, sagte Wolfgang Schäuble der „Bild“-Zeitung.

Verhöhnung der Opfer

Wer sich an den Gedenkfeiern beteilige, verhöhne die Opfer. „30 Jahre Deutscher Herbst müssen uns Mahnung sein, jene irrsinnige Diskussion um das Schicksal der Täter nicht dauernd zu wiederholen“, erklärte Schäuble.

Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader (v.l.)

Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader (v.l.)

Die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe hatten sich in der Nacht zum 18. Oktober 1977 in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim das Leben genommen. RAF-Sympathisanten wollen am Wochenende Gedenkfeiern in Berlin, Stuttgart, Brüssel und Zürich veranstalten.

Entführung als richtig bezeichnet

Schon am Mittwoch hatte der ehemalige RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner Aufsehen erregt. Wagner hatte in der Zeitung „Junge Welt“ die Entführung des später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 „aus heutiger Sicht“ als richtig bezeichnet.

Die Äußerung löste über alle Parteigrenzen hinweg Empörung aus. Der frühere Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel sagte in der „Schweriner Volkszeitung“, mit seinen Aussagen verhöhne Wagner nachträglich das Opfer und dessen Angehörige. „Solche Aussagen sind schwer erträglich.“ Derzeit prüft die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Wagner.

„Legitimitätsgrundlage mehr als prekär“

Der ehemalige RAF-Terrorist Karl-Heinz Dellwo hatte seinem ehemaligen Mitkämpfer Wagner am Freitag widersprochen. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 sei „die Legitimitätsgrundlage des bewaffneten Kampfes mehr als prekär“ gewesen, sagte Dellwo der „Frankfurter Rundschau“.

„Es gab nur noch die Begründung, dass die politischen Gefangenen als Fundamentalopposition vernichtet werden sollen. Aber als Revolutionsstrategie war die RAF nicht mehr legitim“.

Antwort auf den Kriegsimperialismus

Die Entführung der „Landshut“ nannte Dellwo „Verrat an dem, für das die RAF früher stand“. Hier sei das Volk angegriffen worden. Den bewaffneten Kampf bis 1975 bezeichnete Dellwo als „im damaligen Klima plausibel. Die RAF war als Antwort auf den Kriegsimperialismus, der sich in Vietnam austobte, auch in gewisser Weise legitim“.

Dellwo war Mitte der 70er Jahre zur RAF gestoßen. Nach der Besetzung der deutschen Botschaft in Stockholm 1975 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 1995 kam er frei. Seitdem arbeitet Dellwo als Dokumentarfilmer in Hamburg.

Text: FAZ.NET mit AFP, ddp und dpa
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS, F.A.Z.-Greser&Lenz

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