Fremdenfeindlichkeit

Mutmaßliche Potsdamer Schläger „ohne belastbares Alibi“

10. Mai: Einer der beiden Verdächtigen auf dem Weg zum BGH

10. Mai: Einer der beiden Verdächtigen auf dem Weg zum BGH

14. Mai 2006 Ein 30 Jahre alter Italiener ist in der Nacht zum Sonntag in Berlin Opfer eines anscheinend fremdenfeindlichen Übergriffes geworden. Wie die Polizei mitteilte, war der Mann gegen 1.00 Uhr in Prenzlauer Berg von drei Männern nach seiner Nationalität befragt worden. Als er antwortete, daß er Italiener sei, beschimpften sie ihn und schlugen mit einem Baseballschläger auf ihn ein. Dann flüchteten die Angreifer.

Das Opfer mußte mit Verletzungen am Kopf sowie am rechten Knie in ein Krankenhaus gebracht und sofort operiert werden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Die Angreifer, die als kahlköpfig beschrieben wurden, trugen schwarze Kleidung.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verurteilte die Tat und versprach, „alles zu tun, um die Täter ausfindig zu machen und einer Bestrafung zuzuführen“. Körting sagte, „solche Taten beschämen Berlin und sind absolut nicht zu tolerieren“.

Auffälliges Verhalten

Unterdessen haben sich die Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Angreifer eines Deutsch-Äthiopiers aus Potsdam erhärtet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat ein 29 Jahre alter Verdächtiger, der zur Tatzeit wegen einer Kehlkopfentzündung im Bett gelegen haben will, inzwischen kein Alibi mehr.

Der zweite Verdächtige soll sich gegenüber Bekannten auffällig verhalten haben, als Tage nach der Tat das Gespräch darauf gekommen sei. Das Opfer sei ja „selbst schuld“ gewesen, soll der 30 Jahre alte Mann gesagt haben.

Auch die Zeitschrift „Focus“ meldet, aus Sicht der Bundesanwaltschaft hätten beide Männer „kein belastbares Alibi“. So habe der 29jährige in der Nacht zum Ostersonntag drei SMS versandt und sei wenig später in einem Auto gesehen worden. Beide Verdächtige bleiben in Haft.

Tathergang noch immer unklar

Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen den 29 Jahre alten Tatverdächtigen bestätigt, der 30 Jahre alte mutmaßliche Komplize hatte einen Haftprüfungsantrag zurückgezogen.

Das Opfer, ein 37 Jahre alter deutscher Ingenieur äthiopischer Herkunft, war am frühen Ostersonntagmorgen laut Ermittlungen mit ein oder zwei Faustschlägen niedergestreckt worden. Er trug ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon. Der genaue Tathergang ist noch immer unklar, Polizei und Staatsanwaltschaft gingen von Beginn an von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus.

Dem Opfer geht es besser

Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung hat der schwerverletzte Deutsch-Äthiopier inzwischen einen ersten Ausflug mit seiner Familie in den Park des Berliner Unfallkrankenhauses unternommen. Der Mann könne inzwischen wieder sprechen und bald über die Tatnacht aussagen, schreibt die Zeitung.

Unterdessen verteidigte Generalbundesanwalt Kay Nehm sein Vorgehen in dem Fall. Die in einer Mailbox-Aufzeichnung festgehaltenen fremdenfeindlichen Äußerungen begründeten eindeutig den Anfangsverdacht für ein Staatsschutzdelikt, sagte Nehm der Zeitschrift „Der Spiegel“. Damit seien die Bundesbehörden zuständig gewesen - unabhängig vom späteren Ergebnis der Ermittlungen.

Text: dpa
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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