03. April 2007 Die umstrittene Fürther Landrätin Gabriele Pauli hat sich offensiv gegen Rücktrittsforderungen aus der CSU gewandt und abermals den Willen bekundet, höhere Parteiämter oder sogar einen Ministerposten zu übernehmen. Über Vorwürfe, sie habe mit den Fotoaufnahmen im Domina-Stil für das Magazin Park Avenue der Partei geschadet, sagte sie: Schwarze Handschuhe, ich fahre Motorrad - sind das Gründe, um eine Partei wieder zu verlassen? Leben wir im Mittelalter? Der Fall sei aufgebauscht worden, und Stoiber und all die anderen sollen sich beruhigen.
Vielleicht trete ich ja an als CSU-Vize, sagte Frau Pauli in einem vorab verbreiteten Interview mit dem Magazin Stern. Die CSU bezeichnete sie als ihre politische Heimat. Ich glaube schon, dass ich jemand bin, der der CSU neue Impulse geben kann. Auch einen Ministerposten in der Landsregierung hält sie für vorstellbar: Kabinett. Ja, warum nicht?
Er sprach von einem Pauli-Faktor
CSU-Generalsekretär Markus Söder hatte die Landrätin dazu aufgefordert, ihre Parteiämter ruhen zu lassen. Sie sagte hingegen dem Stern: Ich möchte in der CSU bleiben und wirken. Sie setze auf einen Meinungswandel in der CSU-Spitze, denn wenn sie mich ausgrenzen, dienen sie der Partei nicht. Sie schaden ihr.
Frau Pauli erwog offen, für die Freien Wähler in den bayerischen Landtagswahlkampf 2008 zu ziehen. Mit Hubert Aiwanger, dem Vorsitzenden der Freien Wähler, habe sie ein interessantes Gespräch geführt, so Frau Pauli. Er sprach von einem Pauli-Faktor. Er glaubt, mit mir kämen die Freien Wähler über die Fünf-Prozent-Hürde.
Sie haben Angst um ihren Einfluss
Bei der vergangenen Landtagswahl im Jahr 2003 wurden die Freien Wähler mit großem Vorsprung auf die FDP hinter CSU, SPD und Grünen vierstärkste Kraft, scheiterten aber dennoch deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde, was auch auf fehlendes politisches Personal von landesweiter Bekanntheit zurückgeführt wird.
Zudem kritisierte Frau Pauli in dem Interview den designierten Nachfolger Edmund Stoibers im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, Günther Beckstein, die beiden um den CSU-Vorsitz ringenden Politiker Horst Seehofer und Erwin Huber sowie CSU-Generalsekretär Markus Söder. Sie regen sich auf, weil sie gespürt haben, dass eine ziemliche Macht ausgeht von dem, was ich gesagt habe. Sie haben Angst um ihren Einfluss.
Karikaturenbuch soll Stoiber vorführen
Frau Pauli bezeichnete die Herren als Repräsentanten der traditionellen CSU und konstatierte, das System Stoiber existiere noch. Dieses abgekoppelte Machtzentrum müsse aufgebrochen werden. Wir müssen wieder näher ran an die Basis, und zwar schnell.
Am 23. April will Frau Pauli in München ein Buch mit Stoiber-Karikaturen präsentieren: Äh...dmund Stoibär. Karikaturen seien Kunst, sagte sie. Man müsse auch mal lachen können - über sich, über dieses ganze Theater.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa