22. Juni 2006 Nach dem Polizeieinsatz gegen Studenten auf dem Bockenheimer Campus in der Nacht zum Donnerstag haben Politiker und Gewerkschafter beide Seiten zur Besonnenheit aufgerufen. Unbekannte hatten auf dem Uni-Gelände gegen 1.30 Uhr Scheiben eingeschlagen und Müllcontainer angezündet, wie die Polizei berichtete. Als die Beamten anrückten, flüchteten die Täter in das vom AStA betriebene Cafe Koz.
Dort hielten sich zu dieser Zeit Studenten auf, um nach Darstellung des AStA eine Solidaritätsparty zur Unterstützung der Proteste gegen Studiengebühren zu feiern. Sie weigerten sich, das Gebäude zu verlassen, als sie von der Polizei dazu aufgefordert wurden. Nachdem ein Vermittlungsversuch des AStA-Vorsitzenden Amin Benaissa fehlgeschlagen war, stürmten die Polizisten gegen 4 Uhr das Cafe. 47 Studenten wurden vorübergehend festgenommen, darunter auch Benaissa. Er bezeichnete das Vorgehen der Polizei als Riesenfrechheit. Man habe ihm zum Vermitteln nicht genug Zeit gelassen.
GEW: Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz
Mit gewaltsamen Aktionen schadeten die Studenten ihrem Anliegen, teilte Universitätskanzler Hans Georg Mockel mit. Geld, das die Hochschule zur Beseitigung der Schäden ausgeben müsse, fehle an anderer Stelle, etwa in der Lehre. Die CDU-Landtagsfraktion forderte die Studenten auf, ihre Meinung friedlich zu äußern und sich von Gewalt und Randale zu distanzieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Grünen im Landtag appellierten an Studenten und Polizei, die Konfrontation nicht weiter zu verschärfen.
Als unverhältnismäßig kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft den Einsatz der Ordnungshüter. Am Donnerstag mittag protestierten etwa 300 Studenten in der Innenstadt friedlich gegen die geplanten Gebühren. Sie drangen in die Börse ein, verließen das Gebäude aber bald wieder. Zu größeren Behinderungen kam es laut Polizei nicht.
Text: F.A.Z., 23.06.2006
Bildmaterial: AP, dpa