Terrorismus

„Kofferbomber“ aus Deutschland im Libanon angeklagt

In Kiel wurden die Anschläge ausgeheckt

In Kiel wurden die Anschläge ausgeheckt

11. Januar 2007 Ein Untersuchungsrichter in Beirut hat am Donnerstag Anklage gegen sechs Libanesen erhoben, die an der Planung der Kofferbomben-Anschläge auf zwei deutsche Züge im vergangenen Juli beteiligt gewesen sein sollen. Die beiden Kofferbomben waren nicht explodiert, weil die Sprengsätze fehlerhaft zusammengebaut worden waren.

Der Richter Abdul Rahim Hammud forderte lebenslange Haft mit Zwangsarbeit für die Verdächtigen, von denen einer - Youssef El Hajdib - in Deutschland in Untersuchungshaft sitzt. Sein im Libanon ebenfalls angeklagter Bruder Saddam El Hajdib ist auf der Flucht.

„Rache für die Veröffentlichung von Karikaturen“

Im Libanon vor Gericht gestellt werden soll auch Jihad Hamad, der zusammen mit den anderen drei Verdächtigen im August nur fünf Tage nach seinem mutmaßlichen Komplizen Youssef El Hajdib im Libanon festgenommen worden war. Der libanesische Generalstaatsanwalt Said Mirza hatte erklärt, nach libanesischem Recht könnten die Verdächtigen nicht an die deutschen Justizbehörden ausgeliefert werden.

Laut Anklage müssen sich die Libanesen in ihrer Heimat demnächst wegen des „Versuchs, Menschen in Zügen in Deutschland zu ermorden“, verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten eine größere Zahl von Zivilisten töten wollen, „um Rache zu üben für die Veröffentlichung von Karikaturen durch einige deutsche Zeitungen, die den Propheten Mohammed beleidigen“.

Plan in Kiel ausgeheckt

Die Bomben waren am 31. Juli in zwei Regionalzüge plaziert worden. Einer der Züge war von Mönchengladbach nach Koblenz unterwegs. Der zweite Zug fuhr von Aachen nach Hamm. Videoaufnahmen aus dem Kölner Hauptbahnhof, den beide Züge passierten, zeigten, wie zwei junge Männer die Koffer in den Zügen deponierten.

Hamad hat laut Anklageschrift zugegeben, die Anschläge zusammen mit Youssef El Hadjib geplant zu haben. Er habe seinen Komplizen im April 2006 in Kiel besucht. Dort hätten sie den Plan ausgeheckt. El Hadjib habe den Sprengstoff besorgt und im Internet Informationen darüber gefunden, „wie man aus einer Gasflasche einen Sprengsatz baut“.

Nach Angaben aus libanesischen Justizkreisen gelten alle sechs Männer als sunnitische Fundamentalisten. Alle sechs stammten auch aus derselben Region im Norden des Libanons.

Text: dpa
Bildmaterial: AP

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