06. März 2008 Die Kultusministerkonferenz (KMK) will den Ländern größere Freiheit bei der Gestaltung des achtjährigen Gymnasiums geben. Es soll künftig fünf Stunden Wahlunterricht geben, der auch zur Vertiefung eingesetzt werden kann und zu den 265 gymnasialen Pflichtstunden hinzugerechnet wird. Zudem sollen Übungs- und Anwendungszeiten vor allem in den Kernfächern mit der Anpassung der Lehrpläne im Sinne von Kerncurricula verbunden werden. Lehrpläne werden dann nicht nur Lernziele festhalten, sondern auch Übungen einplanen. Die Schulen sollen durch das Land mehr Hilfen bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten, der Gestaltung des Schultags, der Verteilung der Stunden über die Jahrgänge und dem Ausbau von Ganztagsschulen bekommen.
Einig sind sich die Länder darin, dass es bei der Gesamtzahl von 265 Wochenstunden von der 5. bis zur 12. Klasse bleiben soll. Die unionsregierten Länder hatten vorgeschlagen, Vertiefungs- und Übungsstunden in die Stundentafel aufzunehmen. Die KMK kann zum G8 nur den Rahmen setzen, für Lehrpläne sind die Länder, für praktische Lösungen (Mittagessen, Poolstunden, Stundenplangestaltung) die Schulen zuständig. Die Einführung des G8 ist in den Ländern unterschiedlich weit fortgeschritten. Das Saarland muss schon im nächsten Jahr den ersten doppelten Abiturjahrgang (neun- und achtjähriges Gymnasium) verkraften. Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz beginnen im kommenden Jahr erst mit der achtjährigen Schulzeit.
Qualifizierungsoffensive kostet 500 Millionen Euro
Erstmals vereinbarten Bund und Länder eine konzeptionelle Zusammenarbeit, um die Übergänge von einer Bildungsinstitution zur nächsten zu erleichtern. An den Schnittstellen der frühkindlichen Bildung zum Schulbeginn, der allgemeinbildenden Schule zur beruflichen Bildung und zur Hochschule müsse es dringend Verbesserungen geben, sagte Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) in Berlin. Für diese Qualifizierungsoffensive geben Bund und Länder in den kommenden drei Jahren insgesamt 500 Millionen Euro aus. Bis zum Bildungsgipfel im Herbst 2008 sollen die Vorschläge vorliegen.
Dann solle es auch konkrete Vereinbarungen zwischen den Ländern geben, kündigte die Präsidentin der KMK, die saarländische Ministerin Kramp-Karrenbauer (CDU), an. Durch eine stärkere Verknüpfung von Schule und Praxis sollen die Zahl der Schulabbrecher halbiert, der Förderunterricht ausgebaut und der Übergang in die Berufsausbildung verbessert werden. Vor allem geht es darum, Berufsvorbereitung, -ausbildung und berufliche Nachqualifizierung inhaltlich zu verbinden. Außerdem sollen die Anschlussmöglichkeiten im beruflichen Bildungssystem durch eine Verbreiterung der Angebote zum Erwerb der Studienberechtigung und zur Sicherung der Gleichwertigkeit von Abschlüssen gestärkt werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa