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Oskar Lafontaine

Die vielseitige Galionsfigur

Von Günter Bannas

Einst war er der „Napoleon von der Saar”

Einst war er der „Napoleon von der Saar”

26. März 2007 Von den Vorstellungen, die Oskar Lafontaine hat, träumen auch führende SPD-Politiker: Dass die Vielzahl von Parteien links der Union, von manchen als „Spaltung der Arbeiterbewegung“ genannt, aufgehoben werde. Drei sozialdemokratische Parteien gebe es eigentlich, ist diese Rechnung: die SPD, die Grünen und die Linkspartei. Eine Mehrheit im Bundestag hätten sie, rechnen SPD-Politiker aus: Wenn bloß nicht Lafontaine wäre und dann noch der außenpolitische Kurs der Linkspartei.

Im Sommer aber wird Lafontaine nicht bloß (zusammen mit Gregor Gysi) deren Fraktionsvorsitzender, sondern (dann zusammen mit Lothar Bisky) auch deren Parteichef sein. Somit ist er Garant dafür, dass das rot-rote Bündnis, das Klaus Wowereit (SPD) im Bundesland Berlin geschlossen hat, in der Bundeshauptstadt Berlin vorerst und mindestens bis 2013 ausgeschlossen ist.

„Napoleon von der Saar“

Einst, als er noch der SPD angehörte, war Lafontaine als ein „Napoleon von der Saar“ bezeichnet worden. Seine Waffen sind das Wort und die Rede: So stieg er als junger Mann im Saarland auf, kämpfte gegen Helmut Schmidt und stürzte Rudolf Scharping. Er duldet Offiziere (vulgo: Geschäftsführer oder auch Bundeskanzler) neben sich, solange er deren Generalfeldmarschall ist. Sonst geht er eben.

Er konnte herrisch führen und mitreißend, charmant sein und besserwisserisch. Die ihn früher verehrt und sogar seine intellektuelle Überheblichkeit ertragen haben, nennen ihn heute einen Populisten und Demagogen. Ein Rest von Bewunderung schwingt da noch mit, und auch die Sorge, es könne Lafontaine gelingen, im nächsten Bundestagswahlkampf die Gewerkschaften auf seine Seite und die der Linkspartei zu ziehen. Die Kanzlerschaft mindestens eines SPD-Kandidaten hätte er damit verhindert.

Führungsmann - oder doch nur Galionsfigur?

Lafontaine, vaterlos aufgewachsen und aus kleinen Verhältnissen stammend, lebt heute im Saarland ziemlich großbürgerlich, ganz anders also als die kleinen Leute, die er als Wähler gewinnen will, und anders auch als die neuen Freunde in seiner Partei mit ihrem schlichten Lebensstil und ihrer DDR-Nostalgie. In seiner Lebensart ist auch begründet, dass ihm der letzte und bedingungslose Wille zur Macht fehlt. Sonst wäre er 1998 Kanzlerkandidat geworden und hätte er 1999 sein Amt als Parteivorsitzender nicht niedergelegt.

Einst war er Teil der „Friedensbewegung“, weshalb er als „links“ galt, später dann gegen das Gewerkschafts-Motto „Arbeitszeitverkürzung nur bei vollem Lohnausgleich“, was ihn als „Modernisierer“ erscheinen ließ. Noch später dann forderte er grundgesetzliche Einschränkungen des Asylrechts, weil die Turnhallen im Saarland schon voll von Bewerbern seien, was ihn zum Mann der Kommunalpolitiker machte.

In seinen Warnungen vor „Fremdarbeitern“, die mit niedrigen Löhnen deutsche Arbeitnehmer den Job kosteten, klang das wieder an. Die neuen Freunde ertragen das und noch viel mehr, wenn und solange Lafontaine dazu beiträgt, die ostdeutsche Linkspartei in Westdeutschland zu verankern. Lafontaines Erfolg entscheidet darüber, ob sie ihn als Führungsmann oder doch lieber bloß als Galionsfigur halten sollen. Ihn wird das nicht über Gebühr bekümmern.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa

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