02. Februar 2006 Der Zentralrat der Muslime hat die in verschiedenen Zeitungen veröffentlichten Karikaturen über den Propheten Mohammed scharf kritisiert. Es sei entwürdigend, eine religiös so bedeutende Figur wie den Propheten auf diese Art und Weise darzustellen, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Nadeem Elyas am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp.
Es sei kein Zeichen von Zivilisiertheit, eine das Göttliche symbolisierende Figur etwa als Terrorist oder Frauenheld zu verunglimpfen. Zwar sei die Meinungs- und Pressefreiheit gerade in Europa ein hohes geschütztes Gut, doch müsse sie auch die religiösen Gefühle anderer respektieren, sagte Elyas. Er versicherte zugleich, daß es aus Sicht des Islams kein großes Problem sei, wenn der Prophet bildlich als Menschenfigur dargestellt werde. Es gebe aber Grenzen, die auch dann nicht überschritten werden sollten, wenn sie nicht gesetzlich festgeschrieben seien.
Aufrufe zur Gewalt sind ebenso zu verurteilen
Elyas erinnerte daran, daß auch muslimische Bürger in Pakistan und Bangladesch in der Vergangenheit gegen den Kinofilm Die letzte Versuchung Christi protestiert hätten. Eine zivilisierte Gesellschaft muß sich mit den Grenzen der Freiheit auseinandersetzen. Eine grenzenlose Freiheit ist nicht vorteilhaft. Religion und Gottesfrage müßten als ein unantastbares Gut betrachtet werden.
Elyas kritisierte allerdings auch überzogene Reaktionen auf die Veröffentlichung der Karikaturen: Gewalt oder Aufrufe zur Gewalt als Reaktion auf eine verwerfliche Aktion sind ebenso zu verurteilen. Die Reaktion müsse sich auf die Kritik an der Verletzung religiöser Gefühle beschränken, so Elyas.
Norwegen schließt Büro in Palästinenser-Gebieten
Unterdessen hat Norwegen nach Drohungen gewalttätiger Gruppen am Donnerstag eine diplomatische Vertretung in den Palästinenser-Gebieten geschlossen. Wir schätzen die Lage als sehr ernst ein, sagte ein Sprecher des norwegischen Außenministeriums in Oslo. In der Vertretung arbeiten nach seinen Angaben neun norwegische Diplomaten sowie 14 Einheimische. Die Regierung machte keine Angaben dazu, wann das Büro in Al Ram im Westjordanland wieder für den Publikumsverkehr öffnen soll.
Palästinensische Extremisten hatten Norwegern und Dänen mit Gewalt gedroht, nachdem Zeitungen in deren Heimatländern Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatten. Die Zeichnungen verhöhnen aus muslimischer Sicht den Religionsstifter des Islams. Die Proteste dagegen weiten sich seit Tagen aus. Als Demonstration für die Meinungsfreiheit haben inzwischen auch Zeitungen in Deutschland, Frankreich und Spanien die Karikaturen abgedruckt.
Auch Afghanistan hat sich am Donnerstag der muslimischen Kritik an den Karikaturen angeschlossen. Die Verbreitung der Zeichnungen sei ein Affront gegen Hunderte Millionen Menschen, sagte Außenminister Abdullah Abdullah bei einer Pressekonferenz in Kabul. Wir als islamisches Land verurteilen das mit allem Nachdruck. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte sich Anfang der Woche bei einem Besuch in Dänemark versöhnlicher gezeigt. Er sagte nach einem Treffen mit dem dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen, die Reaktionen der dänischen Regierung und der Zeitung, die die Karikaturen abgedruckt hatte, hätten seinen Bedenken Rechnung getragen.
Text: FAZ.NET mit Berichten von ddp und Reuters
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