Der geklonte Mensch

Klonpremiere

Grenzüberschreitung?

Grenzüberschreitung?

13. Februar 2004 Selbst manche Befürworter des therapeutischen Klonens zeigen sich nun überrascht, wie schnell aus einem Konzept, über das in biologischen Instituten diskutiert wurde, eine neue Realität geworden ist, die nicht mehr aus der Welt gehen wird.

Das Wissen, wie man einen Menschen klont, einen Embryo schafft, dessen Erbgut identisch ist mit dem eines bereits Lebenden, kann von heute an von jedem Interessierten in der Zeitschrift "Science" nachgelesen werden. Zwei, drei Veränderungen waren nötig gegenüber dem Versuchsaufbau bei Schaf, Rind und Schwein, um den Kopierschutz des Menschenerbgutes zu knacken. Kein Zweifel besteht, daß sich Kollegen des südkoreanischen Forschers Hwang inspiriert fühlen und die Technik noch perfektionieren werden.

Um zu demonstrieren, daß das "therapeutische Klonen", also die Gewebezucht aus dem Klon eines Kranken, wirklich funktioniert, wären noch zwei weitere Schritte nötig. Zum einen dürfte nicht das Erbgut gesunder Eizellspenderinnen geklont werden, wie in Seoul geschehen, sondern das Erbgut akut kranker Menschen. Und zum anderen müßte das Klongewebe zurück in den Patienten implantiert werden und dort die Funktion erkrankter Körperteile reibungslos übernehmen. Beide Schritte wären nur äußerst schwer auszuführen. So ist es fraglich, ob es für einen Kranken wirklich gut wäre, sein eigenes, wenn auch verjüngtes oder gentechnisch verbessertes Gewebe zurückzubekommen. Zudem würden durch das Klonen die Urkräfte der Embryonalentwicklung aktiviert, die auch unkontrolliertes Wachstum mit sich bringen könnten. Wer immer zur ersten Generation von Patienten gehörte, an der das Verfahren erprobt würde, der müßte sehr verzweifelt sein. Doch es gibt viele verzweifelte, todkranke Menschen.

Einstweilen haben die südkoreanischen Experimente niemanden geheilt, aber der Welt Klonembryonen beschert - und der Raelianer-Sekte die Anleitung zu ihrer Erschaffung. Begierig werden in diesen Scharlatan-Kreisen die neuen Informationen gelesen. Junge fanatisierte Frauen, die sich zum Austragen von Klonbabys zur Verfügung stellen, gibt es offenbar genug. Dieser Spuk wird vermutlich erst dann ein Ende finden, wenn das erste deformierte Klonbaby geboren ist. Diese Vorstellung ist schrecklich.

Text: cls., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2004, Nr. 37 / Seite 1

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