Kfor-Truppe

„Kosovo-Einsatz eine Katastrophe"

17.März 2004: Kfor-Soldaten beim Versuch in Mitrovica,serbische Einwohner zu schützen

17.März 2004: Kfor-Soldaten beim Versuch in Mitrovica,serbische Einwohner zu schützen

25. August 2004 Die Versäumnisse der Bundeswehr während der März-Unruhen im Kosovo waren offenbar größer als bislang bekannt. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Donnerstagsausgabe berichtet, wird der Einsatz der deutschen Kfor-Soldaten in Regierungskreisen mittlerweile als „katastrophal" bezeichnet. Die Bundeswehr habe mit umfassenden Änderungen bei Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzkonzeption auf die Mißerfolge bei dem Einsatz gegen albanische Extremisten reagiert, berichtet die F.A.Z. weiter.

Grundlegende Neuordnung

Anders als bislang von der Bundesregierung dargestellt, gab das Fehlverhalten des etwa 3200 Mann starken deutschen Kontingents Anlaß zu einer grundlegenden Neuordnung des Kosovo-Einsatzes. Bei den zwei Tage dauernden Pogromen gegen die serbische Minderheit hatten Kosovo-Albaner Mitte März in der gesamten Provinz die serbische Minderheit angegriffen, Häuser und Kirchen niedergebrannt.

Albaner hatten sich blutige Straßenschlachten mit Nato-Soldaten und der internationalen Polizei der Vereinten Nationen (Unmik-Polizei) geliefert. Die deutschen Kfor-Soldaten waren von dem Aufruhr überrascht worden. Gegen sie war - teils zu Unrecht - der Vorwurf der Feigheit erhoben worden. Insbesondere deutsche Polizisten, die bei der Unmik-Polizei Dienst tun, hatten bei Unruhen in der Stadt Prizren lange Zeit vergeblich um Hilfe gerufen. Sie fühlten sich von der Bundeswehr im Stich gelassen.

Grundlegende Mängel

Der Einsatz der deutschen Soldaten wurde über Monate hinweg nach außen hin als erfolgreich beschrieben. Inzwischen wurden jedoch umfangreiche Änderungen im Einsatzkonzept angeordnet. Die grundlegenden Mängel betreffen sowohl die Personalplanung für die Auslandseinsätze als auch die Personalführung während der Einsätze sowie Ausrüstung und Ausbildung der eingesetzten Soldaten.

Bislang war angegeben worden, deutsche Soldaten hätten gemäß den Einsatzregeln religiöse serbisch-orthodoxe Bauwerke nur dann verteidigen können, wenn sie selbst auch von den Pogrom-Tätern angegriffen worden wären. Weil dies nicht der Fall gewesen sei, habe man zusehen müssen, wie zahlreiche Häuser, Kirchen und ein Kloster niederbrannten. Nach dem neuen Einsatzkonzept ist vorgesehen, Zufahrtswege zu religiösen Stätten und zu serbischen Siedlungen derart abzusperren, daß man nur mit Gewalt und direktem Angriff auf das Absperrpersonal an die Schutzobjekte herankommt. Zudem wurden serbische Siedlungen zu militärischen Sperrgebieten erklärt.

Kammerhoff skeptisch

Der scheidende Kommandeur der internationalen Schutztruppe (Kfor), der deutsche General Kammerhoff, äußerte sich bei einem Besuch des SPD-Vorsitzenden Müntefering im Kosovo skeptisch über die Perspektiven des Kosovos, wo hohe Arbeitslosigkeit herrscht und international tätige Banden das Geschehen mitbestimmen. Nicht ausschließen wollte der General den Exodus der noch etwa 95 000 Serben, die in der offiziell zu Serbien-Montenegro gehörenden Provinz Kosovo leben.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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