Große Koalition

Der Atomstreit kehrt zurück

24. Februar 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck streiten über die Zukunft der Atomenergie in Deutschland. Frau Merkel warf der SPD am Wochenende mangelnden Realismus vor. Die Sozialdemokraten hätten keinen ausreichenden Ersatz zur Nutzung der Kernenergie benannt. Beck warnte die Union vor einem Streit über die Atomkraft und drängt zum Ausstieg.

„Ich bin dagegen, an der Atomkraft festzuhalten“, sagte Beck dieser Zeitung. „Denn das ist schon deshalb keine Zukunftstechnologie, weil es Uran auch nicht viel länger geben wird als Öl und Gas. Zudem wird Uran in Ländern abgebaut, die gleichermaßen politisch unsicher sind wie viele Öl- und Gas-Staaten“, sagte Beck. Außerdem sei „das Risiko nuklearer Unfälle zu groß“. Beck, der als wahrscheinlicher Herausforderer der Kanzlerin bei der nächsten Bundestagswahl gilt, riet der Union davon ab, die Kernenergie zum Wahlkampfthema zu machen: „Nein, für Atomkraft zu streiten ist kein Gewinnerthema.“

Energiekonzept bis 2020

Dagegen warf Frau Merkel der SPD vor, sich der Wahrheit zu verweigern. „Wer, wie die SPD, sehr schnell aus der Atomstromerzeugung aussteigen will, muss auch sagen, wie er die dann fehlende Energie ersetzen und die Gefahr weiterer CO2-Emissionen vermeiden will“, sagte die Kanzlerin der Sonntagszeitung. „Das ist eine Diskussion, bei der sich alle den Wahrheiten stellen müssen.“

Frau Merkel kündigte an, dass in Kürze in der großen Koalition über die weitere Nutzung von Atomkraft diskutiert werden solle: „Wir erarbeiten im Rahmen des laufenden Energiegipfel-Prozesses unser Energiekonzept bis zum Jahr 2020, rechnen unterschiedliche Szenarien durch und wollen im Sommer mit allen Beteiligten darüber reden.“

Text: elo./mwe./wus./Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.02.2007, Nr. 8 / Seite 1

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