Leserbrief

Gefährliches Passivtrinken

12. Dezember 2006 Zu Ihren Beiträgen zum Thema "Rauchverbot": Glaubt man der unablässigen Propaganda der Anti-Tabak-Lobby, dann haben wir es hier mit einem einmaligen Phänomen des Marktes zu tun: Eine überwältigende Masse von nach reiner Luft dürstenden Nichtrauchern läßt sich fortgesetzt terrorisieren, gar ihrer körperlichen Unversehrtheit berauben bis hin zur Verursachung eines vorzeitigen Todes, durch eine verschwindend kleine Zahl unverbesserlicher Nikotinsüchtiger, die rücksichtslos ihrem verderblichen Laster frönen. Und so gut wie alle Gastronomen sehen dem tatenlos zu. Es wird also, in Permanenz und Massen, ein Produkt angeboten (Lokal mit Rauchererlaubnis), das kaum jemand haben will, derweil das, wonach alle sich sehnen (rauchfreies Lokal), Seltenheitswert besitzt. Weshalb nun endlich, wie es im Sozialismus üblich ist, der Staat eingreifen und für Ordnung sorgen muß. Wäre dem nicht so, dürfte man doch einmal fragen, wo denn die Abstimmung mit den Füßen durch die angeblich so fürchterlich belästigten Nichtrauchermassen bleibt. Wäre dem nicht so, dürfte man doch einmal fragen, warum nicht Nichtraucherlokale wie Pilze aus dem Boden schießen, steht es doch schließlich jedem Gastronomen frei, in seinem Lokal den Tabakgenuß zu untersagen. Wäre dem nicht so, dürfte man doch einmal fragen, warum nicht längst allüberall winzige Raucherräume eingerichtet worden sind, in denen sich die wenigen Übeltäter zusammenrotten können.

Nun soll dies per Ukas geschehen. Ein gangbarer Kompromiß. Außer natürlich für die engagierten Kreuzzügler. Sie reden vom Nichtraucherschutz, beabsichtigen aber in Wahrheit Umerziehung, wollen ihre eigene Lustfeindlichkeit anderen Menschen aufzwingen. Natürlich zu höheren Zwecken, wie sie noch von jedem Zwangssystem ins Felde geführt worden sind. Diese Herrschaften werden nicht eher ruhen, als bis das Rauchen ganz verboten worden ist. Und dann kommt, was sich auf EU-Ebene wie in Amerika, der Brutstätte solcher Wahnideen, schon abzeichnet: Als nächstes knöpfen sich die Herrschaften Alkohol, Koffein und Zucker vor. Wer es nicht glaubt, wird spätestens in dem Moment eines Besseren belehrt werden, an dem die erste Studie über die erschröcklichen Gefahren des Passivtrinkens erscheint. Von den immensen volkswirtschaftlichen Schäden ganz zu schweigen.

Dr. Marcus Arend, Berlin

Text: F.A.Z., 13.12.2006, Nr. 290 / Seite 8

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