Islam in Deutschland

Schäuble lobt Gründung des Koordinierungsrats

Von Günter Bannas, Berlin

11. April 2007 Die Bundesregierung erhofft sich von der Gründung des Dachverbandes von vier großen muslimischen Organisationen eine Verbesserung des Dialogs mit dem Islam. Bundesinnenminister Schäuble (CDU) hält den Koordinierungsrat für einen guten Schritt im Rahmen der angestrebten Gesprächsreihe mit den Vertretern der Muslime. Das teilte sein Sprecher am Mittwoch in Berlin mit.

Er verwies auf die im Mai anstehende nächste Sitzung der deutschen Islamkonferenz, die im September erstmals zusammengetreten war. Der Zusammenschluss der Verbände komme daher „zum richtigen Zeitpunkt, um auch die Gespräche am 2. Mai positiv zu inspirieren“. Schäuble hatte zuvor mehrfach gefordert, der Staat brauche einen Ansprech- und Verhandlungspartner.

Große Feier in der Kölnarena

Dem „Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland“ (KRM), dessen Gründung am Dienstag in Köln verkündet wurde, gehören die Einzelverbände Ditib (Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion), der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Verband der islamischen Kulturzentren an.

Nur indirekt vertreten ist die einflussreiche Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die eine islamisch geprägte Gesellschaftsordnung anstrebt und deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sie ist nicht Gründungsmitglied des KRM, aber Teil des Islamsrats. Die Verbände hatten sich in der Kölnarena zu einer großen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed getroffen. Eine gemeinsame Geschäftsordnung ist schon am 28. März unterzeichnet worden.

„Zeit zum einheitlichen Handeln“

Mit dem Zusammenschluss hätten die Muslime ihre Bringschuld teilweise erfüllt und erwarteten eine „Gegenleistung des Staates“, sagte der erste Sprecher des Koordinierungsrats, Ayyub Axel Köhler. Köhler ist auch Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Der Dialogbeauftragte Ditibs, Dekir Alboga, sagte am Mittwoch in Köln, der KRM werde die Interessen der Muslime vertreten und Ansprechpartner für die Politik sein.

Zwar arbeite jeder der Mitgliedsverbände weiter eigenständig: „Aber es wurde Zeit, dass die Muslime hinsichtlich gemeinsamer Interessen einheitlich handeln.“ Das betreffe solche Themen wie den Wunsch nach islamischem Religionsunterricht.

Die türkischstämmige Islamkritikerin Necla Kelek bewertete den neu gegründeten Dachverband skeptisch. Es genüge nicht, dass sich der Koordinierungsrat als einheitlicher Ansprechpartner für die Bundesregierung verstehe, sagte sie im Deutschlandfunk. Nötig sei vielmehr eine „inhaltliche Auseinandersetzung“ über die Frage, wie der Islam in Deutschland künftig gelebt werden soll.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, picture-alliance/ dpa

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