13. März 2007 Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) und andere Politiker haben sich gegen ein Alkoholverbot für Jugendliche ausgesprochen. Damit reagieren sie auf die Äußerungen der Drogenbeauftragten der Unionsfraktion Maria Eichhorn (CSU), die entsprechende Pläne der EU begrüßt hatte. Anlass der Diskussion sind außerdem Berichte über immer hemmungslosere Trinkgelage Minderjähriger.
Jugendliche müssten vor Alkoholsucht bewahrt werden, sagte Eichhorn der Berliner Zeitung. Sie fügte hinzu, dass das geltende Jugendschutzgesetz eingehalten werden muss, das bereits ein Verkaufsverbot von hochprozentigem Alkohol an Minderjährige vorsieht. Das Verbot muss voll ausgeschöpft werden. Daher müssen die Kontrollen konsequent durchgeführt werden, sagte Eichhorn, die zudem eine bessere Aufklärung forderte.
Keine Olympiade der Verbote
Seehofer und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) sprachen sich jedoch gegen ein generelles Verbot für Jugendliche aus. Zunächst ist es dringlicher, auf die Einhaltung der bestehenden gesetzlichen Grenzen nach dem Jugendschutzgesetz zu achten, sagte Bätzing. Die Regelungen müssten von Handel und Gastronomie strikt eingehalten und von den Ordnungsbehörden besser kontrolliert werden.
Seehofer warnte vor einer Olympiade der Verbote. Besser seien Erziehung und Aufklärung, sagte Eichhorns Parteikollege. Davor dürfe man nicht kapitulieren und mit Paragrafen reagieren. Bätzing forderte, den verantwortlichen Alkoholkonsum in der Gesellschaft stärker zu thematisieren. Ein großes Problem ist nach wie vor der frühe und teilweise exzessive Alkoholkonsum unter jungen Menschen, sagte sie. Die Politikerin rief Erwachsene dazu auf, Alkohol nur zurückhaltend zu konsumieren, um Kindern und Jugendlichen ein solches Verhalten vorzuleben. Jeder trägt hier Verantwortung, auch Bildungseinrichtungen, Sportvereine und nicht zuletzt die Familien.
Koma-Saufen eine beunruhigende Entwicklung
Ein geteiltes Echo auf Eichhorns Vorschlag kam von den Grünen. Das Koma-Saufen ist eine beunruhigende Entwicklung, sagte der drogenpolitische Sprecher Harald Terpe der Berliner Zeitung. Wenn man den Jugendschutz ernst nimmt, muss man die Abgabe von Alkohol an unter 18-Jährige unterbinden. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn sagte dagegen, junge Leute fänden selbst mit einem Verbot Möglichkeiten, an Alkohol heranzukommen. Das ist dann eben auf eine noch unkontrolliertere Art und Weise auch nicht besser, sagte die Verbraucherpolitikerin im Sender N24. Außerdem müssten Jugendliche auch ausprobieren können, wo ihre Grenzen seien.
Auch die FDP sprach sich gegen ein generelles Verbot aus. Ich habe den Eindruck, Politiker beruhigen ihr Gewissen mit spontanen Aktionen, sagte der drogenpolitische Sprecher Detlev Pfarr. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) wies darauf hin, dass das Einstiegsalter für Alkohol bei 13,6 Jahren liege. Daher sei es wichtig, die bestehenden Regeln besser durchzusetzen, sagte Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst. Er zeigte sich jedoch einem strengeren Verkaufsverbot gegenüber aufgeschlossen.
50 Gläser Tequila
Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist zwar in den vergangenen 30 Jahren insgesamt gesunken, sagte die Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA), Marita Völker-Albert. Dennoch verbringen gleichzeitig immer mehr Minderjährige ihre Freizeit mit so genanntem Koma-Saufen: Trinken, bis zum Umfallen. In Berlin beispielsweise verdoppelte sich nach Angaben der Fachstelle für Suchtprävention in den vergangenen Jahren die Anzahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholintoxikation in eine Rettungsstelle kamen.
Anlass der Diskussion sind die Fälle zweier Berliner Jugendliche, die nach exzessivem Alkoholgenuss im Krankenhaus liegen. Ein 16 Jahre alter Jugendlicher hatte angeblich 50 Gläser Tequila getrunken, ein 14 Jahre altes Mädchen sprang betrunken aus seinem Zimmer im vierten Stock und verletzte sich dabei lebensgefährlich.
Läden oder Gaststätten dürfen in Deutschland leichte alkoholische Getränke wie Bier an Jugendliche ab 16 Jahren verkaufen. Die Abgabe an Kinder und Jugendliche unter dieser Altersgrenze ist verboten. Nach Angaben der Drogenbeauftragten gibt mehr als jeder Dritte im Alter zwischen 12 und 25 Jahren an, im vergangenen Monat mindestens ein Mal mehr als fünf Gläser Alkohol getrunken zu haben. Immer mehr in die Aufmerksamkeit geraten Pauschaltarife von Gastwirten, die für einen Festbetrag unbegrenzt Alkohol ausschenken. Dies fördert nach Ansicht der Kritiker die Alkoholexzesse.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa