Leserbrief

Unbarmherzig gegen Filbinger

Einige Formulierungen des Nachrufs auf den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Filbinger ("Ein Konservativer, den die Vergangenheit verfolgte", F.A.Z. vom 3. April) lösen in mir erheblichen Widerspruch aus.

Lesermeinungen zum Beitrag

21. April 2007 01:03

Biographie nicht gelesen aber FAZ

Jan Behrendt (IronLion)

Weitere Fakten z.b. lt. Faz-Artikel von Soldt/Löwenstein:

-Zitat: "...präsentierte ein Reporter dort den NSDAP-Mitgliedsantrag Filbingers von 1937, den er im Bundesarchiv in Berlin aufgestöbert hatte."

Filbinger hat das Todesurteil gegen den Matrosen Gröger selbst verlesen und dem armen Kerl dann auch noch sämtliche Bürgerrechte abgesprochen. Ist denn ein Mord neuerdings kein Mord mehr?
Außer den Todesurteilen hat Filbinger also auch noch andere Urteile gefällt. Das allein soll dann schon Unrecht zu Recht werden lassen???

Niemand ist gezwungen worden in die NSDAP einzutreten und niemand mußte in dieser Zeit Anwalt werden!

Als ehemaliger Schüler einer Anne-Frank-Schule mit Leistungskurs(Hauptabiturfach) Geschichte, sowie aktiver Mitarbeit in Anne-Frank-AG zur Dokumentation des Nationalsozialismus bedarf es wohl kaum des Nachhilfeunterrichtes in Geschichte.



Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
16. April 2007 13:37

Biographie gelesen?

Jens Friedland (Rodriges)

Ein nicht demokratisch legitimiertes Unrechtsregime kann gar keine rechtmäßigen Justizurteile fällen. Auch nicht auf der Rechtgrundlage von 1872.

-->Nur als Kommentar: Alle Jäger jagen nach einem Jagdrecht des Deutschen Reichsjägers Göhring!
Herzlichen Glückwunsch!

Wie wären sie während der Nazidiktatur Anwalt geworden?
Gar nicht! (Zwang zum Parteibeitritt)
Herr Filbinger hat außerdem darauf hingewiesen, dass er lieber im U-Bootkrieg gekämpft hätte als Marineanwalt zu werden!

Neben den Todesurteilen hat Herr Filbinger auch Verfahren zu einem Guten Ende für die Angeklagten herbeigeführt.

Vielleicht sollten sie sich nochmals mit der Zeit des Faschismus in Deutschland beschäftigen und sich ein bißchen näher mit den Taten Filbingers beschäftigen und nicht populistischen Quatsch nachplappern!

(Dies ist keine Beschönigung, wenn andere Fakten vorhanden sind hätte ich sie gerne, um nicht "unwissend" zu bleiben)

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
14. April 2007 00:19

Filbinger war zweifelsfrei aktiver Nationalsozialist...

Jan Behrendt (IronLion)

Halten wir uns lediglich an einige der vorliegenden Fakten:

- SA-Mitgliedschaft (Das waren viele aber nicht alle)
- wichtige gehobene Position in nicht demokratisch legitimiertem Regime= Diktatur
(also aktive Unterstützung des Systems)
- Im Mordfall Gröger (denn nichts anderes war es), erfolgte die Ermordung auf betreiben Filbingers.
-Die Hinrichtung wurde von Filbinger selbst geleitet.
(Für solches Verhalten wurden andere in den Nürnberger Nachkriegsprozessen zum Tode verurteilt)
-Die beiden Marinesoldaten die von Filbinger zum Tode verurteilt worden sind, sind lediglich durch ihre Flucht nach Schweden der Ermordung entkommen.
(Sie hätten durchaus ausgeliefert werden können)
-Deserteure und NS-Opfer sind oftmals bis zum heutigen Tag weder entschädigt noch rehabilitiert. Erstere galten auch viele Jahre nach dem Krieg noch als vorbestraft.
-Führende Köpfe der Nazijustiz mit den Opfern und Widerstandskämpfern gleichzustellen ist eine absolute Frechheit
-Ein nicht demokratisch legitimiertes Unrechtsregime kann gar keine rechtmäßigen Justizurteile fällen. Auch nicht auf der Rechtgrundlage von 1872.

Ich hoffe Oettinger wird seines Amtes enthoben und müßte dabei selbstverständlich alle Penssionsansprüche verlieren!

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
13. April 2007 15:30

Filbinger in seiner Zeit

Rainer Thesen (RainerThesen)

Ja, man muß natürlich die Zeit sehen, in der Filbinger widerwillig Kriegsgerichtsrat wurde. Aber heute ist es ja üblich, unhistorisch, nämlich aus der heutigen Zeit heraus zu urteilen. Und die Kritiker von heute wären damals allesamt todesmutige Widerstandskämpfer gewesen, gell?

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
13. April 2007 12:03

NS-Recht und Fischer

Peter Marx (Zwingli)

"Mit seiner Uneinsichtigkeit gegenüber eigenem Verhalten während der NS-Zeit stieß er bis in die Gegenwart auf mediale Meinungsbildner, die sich großzügig in der Toleranz gegenüber früheren politischen Gewalttätern wie Joschka Fischer, politischen Opportunisten wie Gerhard Schröder oder intellektuellen Moralisten wie Günter Grass offenbaren, sich jedoch in der Bewertung von Lebensläufen im Nationalsozialismus ebenso borniert und unbarmherzig zeigen wie manche der Betroffenen selbst."

Man muss nur diesen einen Satz lesen, um zu verstehen, dass Konservatismus eine Ideologie sein kann. Selbst der reichlich arrogant aufgetretene und auftretende Grass, der für sein letztes Werk nun wirklich reichlich und verdient Prügel bezogen hat, war von Beginn an ehrlicher gegenüber seiner Vergangenheit als Filbinger. Im Unterschied zu diesem hat er seine frühere Begeisterung für das NS-Reich bekannt. Was den Vergleich zu Fischer und Schröder angeht, kann man sich auch als Konservativer nur angewidert wegdrehen.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
1 - 5 von 5 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche