Pisa-Test

„Sächsischer Weg“ - ein Erfolg?

Auch das Lesevermögen wird bei Pisa getestet

Auch das Lesevermögen wird bei Pisa getestet

18. November 2008 Sachsen erreicht beim Pisa-Test 2006 in allen drei Disziplinen den ersten Platz und verweist damit den bisherigen Sieger Bayern auf den zweiten Rang. Das ergab die Auswertung der nach Bundesländern aufgeschlüsselten Daten der Bildungsstudie. Zugleich gibt es bei dem zum dritten Mal vorgenommenen Bundesländervergleich weitere deutliche Verschiebungen. Vor allem die ostdeutschen Länder drängen stark nach vorn.

Im Pisa-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften folgt hinter Sachsen und Bayern auf Platz drei Thüringen - gefolgt von Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. In den Naturwissenschaften gelten die ostdeutschen Schulen traditionell als sehr leistungsstark. Bei der wichtigen Disziplin Lese- und Textverständnis folgt hinter Sachsen und Bayern ebenfalls Thüringen auf Platz drei - gefolgt von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das Textverständnis gilt als wichtige Voraussetzung für das Lernen.

Sachsen verzichtet auf Hauptschulen

In der Mathematik kommt hinter Sachsen und Bayern auf Platz drei Baden-Württemberg - gefolgt von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bremen bildet abermals in allen drei Teildisziplinen das Schlusslicht.

Sachsens erster Platz liegt laut dem sächsischen Kultusminister Roland Wöller (CDU) auch im Verzicht auf die Hauptschule begründet. Sein Bundesland habe von Anfang an mit der Mittelschule einen eigenen Weg verfolgt, sagte Wöller am Dienstag im Deutschlandfunk. Dank der Vereinigung des Hauptschul- und Realschulgangs unter einem Dach erreiche über die Hälfte eines Schülerjahrgangs einen Realschulabschluss. Diese Quote sei innerhalb Deutschlands unerreicht, so der CDU-Politiker. Mittlerweile sei der „sächsische Weg“ bundesweit zum Modell geworden.

Es ist der dritte Pisa-Bundesländervergleich seit dem ersten Test im Jahr 2000. Das schlechte deutsche Abschneiden bei dem weltweit größten Schulleistungstest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte den Ruf nach umfangreichen Schulreformen ausgelöst.

Die Herkunft bestimmt die Chancen

Nach wie vor gibt es in Deutschland einen erheblichen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Chance von Jugendlichen, ein Gymnasium zu besuchen, stellen die Autoren in der Untersuchung fest. „Statistisch bedeutsame“ Verbesserungen machen die Forscher hierbei nur in Bayern und Rheinland-Pfalz aus. In Bayern war die Abhängigkeit des Gymnasialerfolgs von der sozialen Herkunft bei den beiden Vorgängerstudien im Vergleich zu allen anderen Bundesländern am ausgeprägtesten. Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren seine Ganztagsschulen erheblich ausgebaut und wird ab 2011 an mehr als jeder dritten Schule Ganztagsbetreuung anbieten.

Laut der Pisa-Studie schwankt der Besuch des Gymnasiums von Jugendlichen aus der „oberen Dienstklasse“ (Akademiker, Chefs) zwischen 47 Prozent (Bayern) und 63 Prozent (Brandenburg). Hingegen besuchen von den Fünfzehnjährigen aus Familien von ungelernten und angelernten Arbeitern nur zwischen 8 Prozent (Bayern) und 20 Prozent (Thüringen und Sachsen-Anhalt) ein Gymnasium.

Lehrerorganisationen: Mehr Hilfen für Risikoschüler

Die großen Lehrerorganisationen verlangten konkrete Verbesserungen an den Schulen. Nach jahrelangem Messen und Testen müssten endlich Taten folgen, forderte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger. Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, mahnte mehr Hilfen für Risikoschüler an. Demmer verwies darauf, dass auch nach dem dritten Pisa-Test 2006 jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig lesen und verstehen kann.

An der zusätzlichen deutschen Bundesländeruntersuchung zum Pisa-Test 2006 nahmen weitere 57.000 Schüler an 1500 Schulen teil. Die Federführung lag beim Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: ddp

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