Im Porträt

Beamtenpräsident Peter Heesen

Von Rainer Blasius

27. November 2007 Peter Heesen hatte sich seine Wiederwahl zum Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbunds (DBB) sicherlich anders vorgestellt. Wie gern wäre der im Herbst 2003 mit fast 96 Prozent gekürte Hoffnungsträger, der sich durch seine Kampfansage an „faule Beamte“ die Sympathien der Medien erwarb, jetzt als erfolgreicher Großreformer eines bundeseinheitlichen Dienstrechts vor die Delegierten der 1,25 Millionen Mitglieder des DBB und der DBB-Tarifunion getreten.

Stattdessen büßte das CDU-Mitglied seit der Föderalismusreform viel Einfluss ein, was er im engen Schulterschluss mit Verdi-Chef Bsirske, dem er sich mittlerweile auch freundschaftlich verbunden fühlt, wettmachen möchte.

Heesen hatte einen vielversprechenden Start an der Spitze des Beamtenbundes. Den Bundesinnenminister Schily (SPD) beeindruckte damals der Mut des selbsternannten Beamtenerziehers. Er war bereit, mit Heesen und Bsirske Eckpunkte für eine stärker leistungsbezogene Besoldung vorzustellen, was 2005 in den Entwurf des „Gesetzes zur Reform der Strukturen des öffentlichen Dienstrechts“ einfloss.

Gesellig, geistreich und humorvoll

Mit der großen Koalition lief das kühne Projekt langsam, aber sicher ins Leere. Bundesinnenminister Schäuble (CDU) hielt es für wenig praktikabel und wollte als überzeugter Föderalist nicht den Platz des Zentralisten Schily im beamtenpolitischen Dreigestirn einnehmen. Statt sich frühzeitig auf die Kompetenzverlagerungen an die Länder einzustellen und nur noch als Koordinator innerhalb des DBB zu wirken, trauerte der schwergewichtige Heesen gelegentlich sogar öffentlich Schily nach.

Am 8. Oktober 1947 als Sohn eines Bäckermeisters in Krefeld geboren, studierte Heesen Deutsch, Philosophie und katholische Religion. 1977 kam er an das Bad Godesberger Konrad-Adenauer-Gymnasium. Damals verschlechterten sich die Berufsaussichten für Lehrer rapide. Doch der einfallsreiche junge Studienrat reagierte darauf 1979 mit einem „Ratgeber für arbeitslose Lehrer“. Von nun an stand zunächst die eigene Berufsgruppe, später der gesamte öffentliche Dienst im Zentrum seines Wirkens: als Mitglied im Hauptpersonalrat beim Düsseldorfer Kultusministerium, langjähriger Vorsitzender des Philologenverbands in Nordrhein-Westfalen und von 2001 bis 2003 als Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes.

Der gesellige, geistreiche und humorvolle, mit den Jahren etwas dünnhäutig gewordene Sammler moderner Kunst und alter Karnevalsorden wird sich zunächst auf eine Erhöhung der Bezüge des öffentlichen Dienstes im Bund konzentrieren und orientiert sich an jenen 9,4 Prozent für zwei Jahre, die sich die Bundestagsabgeordneten jüngst bei der Diätenanhebung genehmigten. Daneben ist er „unglücklich“ über das Vorgehen der GDL, die dem Deutschen Beamtenbund angehört. Dass Spartengewerkschaften wie die der Lokomotivführer ohne Rücksicht auf andere Mitarbeiter eigene Interessen vertreten, stellt für ihn ein „grundsätzliches Problem“ dar. Lösen kann er es nicht, weil Machtworte des bisher beredtesten Bundesvorsitzenden im DBB nicht mehr gefragt sind.



Text: F.A.Z., 27.11.2007, Nr. 276 / Seite 12
Bildmaterial: AP

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche