Nach umstrittener Äußerung

Helmut Kohl nimmt Thierses Entschuldigung an

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16. November 2007 Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat die Entschuldigung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) nach dessen Äußerung über ihn und seine Ehefrau Hannelore akzeptiert. Herr Thierse habe sich mit einem Schreiben „bei mir in aller Form entschuldigt“, sagte Kohl am Freitag in Berlin. „Ich nehme diese Entschuldigung an. Zum Vorgang selbst will ich sonst nichts sagen.“

Im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), der sich von den politischen Ämtern verabschiedet, um sich um seine schwer erkranke Frau kümmern zu können, war Thierse von der „Leipziger Volkszeitung“ mit den Worten zitiert worden: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“ Dieser Satz hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Hannelore Kohl litt unter schwerer Lichtallergie und hatte sich 2001 das Leben genommen. (Siehe auch: Thierse bedauert umstrittene Äußerung über Kohl)

Beck: „Nun sollte es gut sein“

Wolfgang Thierse: “Einen Funken von Größe”

Wolfgang Thierse: "Einen Funken von Größe”

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hält die umstrittenen Äußerungen Thierses „in der Wirkung“ für nicht beabsichtigt. „Er hat sich dafür entschuldigt und damit sollte es gut sein“, sagte Beck am Freitag in München.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte im ZDF: „Ich halte es für glaubhaft, dass Herr Thierse nicht Helmut Kohl in seiner Integrität treffen wollte, tatsächlich hat er eine Grenze überschritten.“ Allerdings habe sich Thierse „glaubhaft entschuldigt“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor der „Bild“-Zeitung gesagt, die Äußerungen Thierses grenzten für sie „an Niedertracht“. Wenn Thierse „noch einen Funken von Größe“ habe, müsse „seinem halben Bedauern umgehend eine wirkliche Entschuldigung folgen“.

Thierse: „Falscher Eindruck“

Thierse hatte am Donnerstag zunächst in einem Brief an Kohl und später auch vor diversen Fernsehkameras bedauert, dass die „Darstellung“ seiner Äußerung zu einem „falschen Eindruck“ geführt hätten. Sein Versäumnis sei es gewesen, dass Interview nicht autorisiert zu haben. Tatsächlich habe er weder Kritik an Kohl geübt noch ihm einen Vorwurf gemacht und bedauere, wenn ein solcher Eindruck entstanden sei. „Weil ich den Vorwurf nicht erhoben habe, will ich nachdrücklich um Entschuldigung bitten, wenn bei Helmut Kohl dieser Eindruck entstanden ist.“

Steinbrück sagte, die Grenze sei die, die den „privaten Teil“ klar von der politischen Auseinandersetzung trenne. Diese Grenze habe Thierse „mit seinen Äußerungen verletzt“. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, Thierse habe einen „schweren, schweren Fehler“ gemacht. „Ein Bundestagsvizepräsident, der sich ohne Not über eine private Situation eines Kollegen äußert, hat natürlich wirklich die unterste Stufe dessen erreicht, was man erreichen kann.“

Stellte heute sein Buch “Erinnerungen 1990 -1994“ vor

Stellte heute sein Buch "Erinnerungen 1990 -1994" vor

Thierse sagte in einem Statement vor der Parlamentarischen Gesellschaft: „Wer keinen Fehler macht, der kann den ersten Stein werfen. Mit ist ein Fehler unterlaufen - nicht in dem was ich gesagt habe, sondern dass ich ein Interview nicht autorisiert habe. Das passiert leider. Ich ärgere mich sehr darüber. Aber das kann kein ernsthafter Rücktrittsgrund sein. Und ich hoffe, dass diese Debatte auch nun vorüber ist.“

Kohls Erinnerungen

Indes stellte der 77 Jahre alte Kohl In einem Berliner Hotel den dritten Band seiner Memoiren vor: „Erinnerungen 1990 - 1994“. Der Fall der Mauer, die Einheit Deutschlands, die Europäische Währungsunion und sein Verhältnis zu dem damaligen amerikanischen Präsidenten George Bush sowie dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow bilden den Schwerpunkt in Kohls jüngstem Werk. (Siehe auch: Kohl drohte 1990 in Moskau mit seiner Abreise)

Thierse bedauert und fühlt sich missverstanden

Thierse bedauert und fühlt sich missverstanden

Erstmals in dieser Ausführlichkeit und mit erkennbarer Sympathie beschreibt Kohl seine Beziehung zu dem früheren Kanzler und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. Es sei der Wunsch Brandts gewesen, dass das Kanzleramt nach seinem Tod den Staatsakt ausrichte und auch sein Ableben verkünde.

„Mein größter Dank geht wieder an Hannelore, die mir als eines ihrer Vermächtnisse hinterließ, meine Memoiren unbedingt zu schreiben und zu vollenden“ - so Kohl in seinem Vorwort zum dritten Band. Erstmals in aller Offenheit äußert sich der Altkanzler darin zur Krankheit seiner Frau und ihrem Tod. Ein vierter Teil - wahrscheinlich bis zur Wahlniederlage und dem Machtwechsel 1998 - wird folgen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa, reuters

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