Kanzlerkandidatur

Verwunderung in der SPD über Strucks Vorstoß

Verwundert seine Partei: SPD-Fraktionschef Struck

Verwundert seine Partei: SPD-Fraktionschef Struck

06. August 2007 Obgleich der SPD-Vorsitzende Beck in den vergangenen Wochen wiederholt gewarnt hatte, die Nennung eines SPD-Kanzlerkandidaten wäre derzeit „falsch“, käme „viel zu früh“ und würde den Genannten „verschleißen“, hat sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Struck jetzt für Beck als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Vor Struck hatten sich schon die designierten stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Steinbrück und Steinmeier Beck als Herausforderer von Bundeskanzlerin Merkel bei der Bundestagswahl gewünscht, die voraussichtlich im September 2009 stattfinden wird.

In der Parteiführung führte Strucks Vorstoß zu Verwunderung. „Ich würde es so halten, wie der Parteivorsitzende es auch hält: Jetzt ist nicht die Zeit, Vorschläge für die Kanzlerkandidatur zu machen“, sagte die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Elke Ferner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Beck habe recht mit seiner Vorgabe. In der Telefonschaltkonferenz des SPD-Präsidiums an diesem Montag wolle sie das Thema ansprechen. Wer zur Kanzlerkandidatur gefragt werde, der solle antworten: „Das entscheiden wir, wenn die Zeit gekommen ist.“

Struck: Steinmeier keine „Rampensau“

Doch die bisherigen Antworten fallen anders aus: „Ich halte Kurt Beck für unseren besten Kandidaten“, sagte Struck der Zeitschrift „Focus“. Ein anderer Kandidat komme nicht in Frage. „Beck kann die Menschen begeistern - auch auf Marktplätzen und in direktem Gespräch“, lobte ihn Struck. Auf die Frage, warum er Beck für geeigneter halte als Außenminister Steinmeier, der in Beliebtheitsumfragen weit vor Beck liegt, antwortete Struck: „Der Außenminister hat selber davon gesprochen, dass ein Spitzenkandidat auch eine ,Rampensau' sein muss - also die Menschen emotional ansprechen kann.“ Das traut Struck Steinmeier offenbar nicht zu. Struck sieht die Entscheidung bei Beck, kündigte aber an, sie werde 2008 getroffen. Beck selbst hatte zuvor stets gesagt, die Entscheidung solle „zum richtigen Zeitpunkt“ fallen. Struck sagte nun: „In der Partei gibt es niemanden, der Kurt Beck als Kanzlerkandidaten in Frage stellt.“

Schon Mitte Juli hatte Bundesfinanzminister Steinbrück Beck als den geeignetsten Kanzlerkandidaten bezeichnet und vorausgesagt, dass Beck es auch werde. Denn Beck vertrete „das Spektrum an Eigenschaften, das ein Kanzlerkandidat haben muss, am besten“, sagte Steinbrück. „Deshalb wird er auch Kandidat.“ Dem widersprach Beck kurz darauf, indem er sagte, die Entscheidung über die Spitzenperson liege allein bei ihm und der Zeitpunkt dazu noch weit in der Zukunft: „Der Vorsitzende wird zur rechten Zeit einen Vorschlag machen“, sagte Beck und mahnte: „Wenn man mit Personalvorschlägen zur Unzeit kommt, werden die ganz schnell verbraucht.“

„Falsch, viel zu früh“

Dem vorausgegangen war ein konkreter Vorschlag von Außenminister Steinmeier Ende Juni: „Ich wünsche mir Kurt Beck als Kanzlerkandidaten“, sagte Steinmeier seiner Wahlkreiszeitung. „Das ist sehr ernst gemeint, denn Chancen und Risiken einer Kandidatur messen sich nicht nur an Umfragewerten. Da zählt auch: Wer tritt gegen wen an.“ Die SPD sei nicht in der Situation, „jetzt eine Entscheidung über die Spitzenkandidatur zu treffen“, sagte Beck dagegen in seinem Sommerinterview. „Das wäre falsch, viel zu früh, würde sich verschleißen.“ Insofern sei es gut, dass „eine Reihe von Persönlichkeiten“ für die Kanzlerkandidatur in Frage komme. „Das wird so bleiben, bis ich entscheide, wann der Zeitpunkt gekommen ist, einen Vorschlag zu machen“, postulierte Beck öffentlich.

Steinmeier jedoch wiederholte seinen Vorschlag nur Tage später: „Mein Wunsch ist, dass Kurt Beck sich selbst bereit erklärt, dieses schwierige Amt auf sich zu nehmen.“ Der Vorsitzende sei dazu mehr geeignet als er selbst, sagte Steinmeier. Er habe keine Schwierigkeiten zuzugestehen, „dass es Dinge gibt, die andere besser können als ich“. Die Politik brauche „unterschiedliche Typen: die Rampensau, den Nachdenklichen, den eher Bauchgesteuerten und hoffentlich auch den, der mit Augenmaß eine gerade Furche zieht“. Struck schloss nun daraus, dass ein Kanzlerkandidat „Rampensau“ sein müsse und Beck sich für diese Rolle am ehesten eigne. Auf die Frage, warum Beck sich selbst noch nicht erklärt habe, hatte Außenminister Steinmeier vor Wochen geantwortet: „Wer früh genannt, ist früh verbrannt.“

Text: F.A.Z., 06.08.2007, Nr. 180 / Seite 1
Bildmaterial: ddp

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