Bundeskriminalamt „besorgt“

Erhöhte Terrorgefahr in Europa

In sieben Fällen konnten deutsche Sicherheitsbehörden Anschläge verhindern

In sieben Fällen konnten deutsche Sicherheitsbehörden Anschläge verhindern

28. März 2008 Wegen der Veröffentlichung eines Kurzfilms des niederländischen Parlamentsabgeordneten Geert Wilders hat sich nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) die Terrorgefahr in Europa erhöht. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte am Freitag: „Wir sehen solche Videos immer als eine Gefahrenerhöhung an.“

Die Sicherheitslage in Deutschland sei insgesamt „unverändert angespannt“. Auf der BKA-Jahrestagung in Wiesbaden sagte Ziercke, das Problem mit dem Wilders-Film sei „die Wirkung auf solche, die als fanatisierte Einzeltäter dies als bare Münze nehmen“. Ziercke erinnerte an das Jahr 2006, als „die verhinderten Kofferbomber die Mohammed-Karikaturen zum Anlass genommen haben, in Deutschland solche Anschläge vorzubereiten“. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland gebe es aber nicht.

Al Qaida verstärkt „Öffentlichkeitskampagne“

BKA-Chef Ziercke: Al Qaida befürwortet hierzulande Anschläge

BKA-Chef Ziercke: Al Qaida befürwortet hierzulande Anschläge

Wilders stellt in seinem schon im vorigen Jahr angekündigten Film den Koran als Grundlage für militanten Islamismus dar und warnt vor einer „Islamisierung“ des Westens. Die niederländische Regierung distanzierte sich unmittelbar nach der Veröffentlichung im Internet von dem Film. Die EU verurteilte ihn. Wilders' Film verfolge kein anderes Ziel, als Hass zu schüren, teilte die slowenische Ratspräsidentschaft in Brdo mit. Die Regierungen Pakistans, Bangladeschs und Irans protestierten gegen den Film. (Siehe auch: Reaktionen auf Wilders Film: „Gemein und angsteinflößend“)

Nach Zierckes Angaben laufen in Deutschland derzeit 187 Ermittlungsverfahren mit islamistisch-terroristischem Hintergrund. Einige Hundert „Gefährder“ und Personen aus deren Umfeld stünden in Deutschland unter „besonderer Beobachtung“. Besondere Aufmerksamkeit widme das BKA deutschen Konvertiten, die aus einem Terror-Ausbildungslager zurückkehrten. Immer mehr Terroristen würden in Nordafrika ausgebildet.

Das Internet bezeichnete Ziercke als eine Art „Fernuniversität“ für Terroristen. Durch im Internet verbreitete Audio- und Videobotschaften von Al Qaida und anderen Terrororganisationen fühlten sich fanatisierte Einzeltäter aufgerufen, Anschläge zu begehen. Im Internet würden Attentäter rekrutiert. Dass Al Qaida seine „Öffentlichkeitskampagne“ verstärkt habe, sei ein Zeichen dafür, dass die Terrororganisation wieder an Stärke gewonnen habe.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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