Wahlaufruf für Linkspartei

SPD schließt von Larcher aus

Von Günter Bannas

09. April 2008 Die Schiedskommission des SPD-Unterbezirks Diepholz in Niedersachsen hat den früheren SPD-Abgeordneten Detlev von Larcher aus der Partei ausgeschlossen. Grund für den Beschluss war ein Leserbrief von Larchers in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dort hatte er im Januar die Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Schröder kritisiert.

Außerdem schrieb er: „Wer will, dass die SPD zur Politik sozialer Gerechtigkeit findet, muss bei den kommenden Wahlen ,die Linke‘ wählen. Denn nur die Konkurrenz links von der SPD bewegt diese, von der Agenda-2010-Politik Gerhard Schröders abzurücken. Die Linken in der SPD kämpfen wacker, aber ohne die linke Konkurrenz im Bundestag und ohne aktive soziale Bewegungen könnten sie keine Kursänderung der SPD herbeiführen.“

Langjähriger Rivale Schröders

Später hatte von Larcher im Gespräch mit niedersächsischen Medien versichert, diese Auffassung gelte nicht nur für die Landtagswahl in Hessen, sondern auch für die in Niedersachsen. Von Larcher hatte dem Bundestag von 1990 bis 2002 angehört. Mehrere Jahre war er einer der Sprecher des linken Parteiflügels, und er hatte diesen organisatorisch gestärkt.

Seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag hatte von Larcher bundespolitisch keine Rolle mehr in seiner Partei gespielt. Mit Schröder hatte er sich schon zu Beginn der siebziger Jahre gestritten. Beide entstammen dem SPD-Bezirk Hannover. Larcher wurde von seinem Nachfolger im Amt des Unterbezirksvorsitzenden, Kramer, am Montag telefonisch über die Entscheidung der Schiedskommission unterrichtet.

„SPD braucht eine linke Konkurrenz“

Von Larcher kündigte an, er werde Widerspruch bei der Schiedskommission des SPD-Bezirks Hannover einlegen. Er wolle wissen, ob die SPD - und zwar nicht nur die örtliche - „tatsächlich der Meinung ist, kritische Geister wie ich, die in 37 Jahren viel für die SPD getan und bewirkt haben, gehörten nicht mehr in die SPD“. Er äußerte auch: „Ich bleibe bei meiner Meinung, dass die SPD in den Parlamenten eine linke Konkurrenz braucht, um vom Schröder-Kurs zu lassen.

Wie schwer ihr das fällt, zeigt der Versuch des Parteivorsitzenden Kurt Beck, entgegen einem eindeutigen Parteitagsbeschluss eine Teilprivatisierung der Bahn herbeizuführen.“ Von Larcher schrieb, er glaube nicht, „dass mein Ausschluss der SPD gut tut. Aber das wird sich ja noch zeigen.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bundestag

 
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