11. April 2007 Zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat deren Vorsitzender, Kardinal Karl Lehmann, die Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zum Ausbau der Krippenplätze unterstützt. Die Differenzen sind nicht so groß, sagte Lehmann am Dienstag in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg). Ich habe keine Sorge, dass wir zu einem vernünftigen Konsens kommen.
Im oberschwäbischen Kloster Reute tagen bis zum Freitag die 71 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe. Von der Kritik des Augsburger Bischofs Mixa an Frau von der Leyen distanzierte sich Lehmann: Der Augsburger Bischof sei nur eine Stimme unter den 27 (Diözesen).
Mixa verteidigte unterdessen seine Kritik an der Politik von Familienministerin Ursula von der Leyen. Er verwies darauf, dass die CDU-Politikerin die Anzahl der Krippenplätze auf 750.000 aufstocken wolle. Damit werde angezählt, dass 70 bis 80 Prozent der Frauen nach der Geburt des Kindes wieder voll in den Arbeitsprozess einträten. Das halte ich nicht für richtig. Das ist für meine Begriffe gegen die Würde der Frau, sagte Mixa am Dienstagabend in der ARD.
Auch familiengerechte Renten ein Thema
Familienpolitische Fragen stehen im Mittelpunkt der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Es gehe jedoch nicht nur um den Ausbau von Betreuungsstätten. Auch über Vorschläge für eine familiengerechte Rentenreform wollten die Bischöfe reden, sagte Lehmann. Weitere Themen des Treffens der katholischen Bischöfe sind aktuelle Entwicklungen in den digitalen Medien sowie die pastorale Neuordnung in den Diözesen.
Im Streit um mehr Krippenplätze hat der Hamburger Erzbischof Werner Thissen Wahlfreiheit für Eltern gefordert. Diese müssten in die Lage versetzt werden, selbst entscheiden zu können, wie sie ihre Kinder erziehen wollten, sagte Thissen im ZDF. Man wisse zwar noch nicht genau, welche Auswirkungen die außerhäusliche Betreuung von unter Dreijährigen habe. Hier müssten noch Erfahrungen gesammelt werden. Die Bischöfe seien aber für eine Wahlmöglichkeit unter gleichen finanziellen Bedingungen. Es dürfe nicht zu einer Bevorzugung der einen oder anderen Versorgung kommen.
Keine Vorstellung von der Realität von Müttern
Am Osterwochenende hatte Mixa seine Kritik an der Familienministerin verschärft. Er warf ihr vor, veraltete feministische Forderungen zu bedienen, wenn sie die Berufstätigkeit von Müttern forciere. Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) wies dessen Worte als ignorant zurück. Es geht doch ganz offensichtlich gar nicht mehr um das Wohl der Kinder, sondern um das Festhalten an alten Rollenbildern, sagte sie dem Kölner-Stadt-Anzeiger.
Wer wie Mixa vor einer Wiederkehr der DDR-Verhältnisse warne, hat keine Vorstellung von der Realität von Müttern in Deutschland heute und beleidigt die Erzieherinnen in unseren Einrichtungen, die Hervorragendes leisten, so Käßmann. Sie sei schlicht sprachlos, wer nun alles zum Erziehungsexperten wird, sagte sie. Die hannoversche Landeskirche plant, ihre derzeit 750 Krippenplätze bis Mitte nächsten Jahres zu verdoppeln.
Text: F.A.Z. / Reuters
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