Minister der Union bestätigt

Merkel und Stoiber: Gute Miene nach dem Machtkampf

Stoiber hat sich vor Seehofer gestellt, Schavan und Schäuble waren bei Merkel gesetzt

Stoiber hat sich vor Seehofer gestellt, Schavan und Schäuble waren bei Merkel gesetzt

17. Oktober 2005 Die designierte Kanzlerin Angela Merkel hat die sechs der Union angehörenden Kandidaten für das künftige Kabinett in der Fraktion bestätigt. Damit ist das Personaltableau der neuen Bundesregierung komplett.

Frau Merkel bestätigte die im Vorfeld bekannt gewordene Kabinettsliste am Montag nach einer Sitzung der CDU/CSU-Fraktion. Neben dem bisherigen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als Wirtschaftsminister wird die CSU mit Horst Seehofer als Agrar- und Verbraucherschutzminister einen zweiten Minister stellen. Die übrigen vier Ressortchefs kommen von der CDU: Wolfgang Schäuble für Inneres, Franz Josef Jung für Verteidigung, Annette Schavan für Bildung und Ursula von der Leyen für Familie.

Merkel: Einsatz für Glos nicht ehrenrührig

Kanzleramtsminister soll der sächsische Innenminister Thomas de Maiziere werden. (Siehe auch: „Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß“: Porträt Thomas de Maizière )

Der bisherige CDU-Generalsekretär Volker Kauder wird neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagfraktion. Norbert Röttgen, der in den vergangenen Tagen auch als Kanzleramtschef gehandelt worden war, bleibt erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

Mauscheln gegen Merkel? Zwei Bayern sorgen für Streit in der Union

Mauscheln gegen Merkel? Zwei Bayern sorgen für Streit in der Union

Merkel gestand indirekt ein, daß sie anstelle von Seehofer lieber den CSU-Landesgruppenvorsitzenden Michael Glos als zweiten CSU-Minister in ihrem Kabinett gehabt hätte - als Chef des Verteidigungsressorts. Es sei aber immer klar gewesen, daß die CSU selbst entscheide, wen sie in die Bundesregierung entsende.

Es sei weder für sie noch für die CSU ehrenrührig, daß sie sich Glos als Minister vorstellen könne. Stoiber sagte, er habe es als ehrenvoll angesehen, daß Merkel der CSU das Amt des Verteidigungsministers in der Person von Glos angetragen habe. Gerade die geplante große Koalition mit der SPD brauche aber eine exzellente Fraktionsführung. Glos sei in seinem Amt in der Fraktionsspitze unverzichtbar gewesen. (Siehe auch: Machtkampf mit Merkel: Stoiber setzt auf Seehofer )

Stoiber: „Überrascht“ über Merkels Vorgehen

Im Kabinett: de Maiziere, Jung und Frau von der Leyen

Im Kabinett: de Maiziere, Jung und Frau von der Leyen

Das Tauziehen um die Ministerämter in Berlin hatte zum Machtkampf zwischen Merkel und Stoiber geführt. Stoiber soll am Montag morgen in einer telefonischen Schaltkonferenz des CSU-Präsidiums deutlich gemacht haben, daß er über Merkels Vorgehen „überrascht“ war.

Er habe es als „Erschwernis“ empfunden, daß Merkel von sich aus Glos als Verteidigungsminister ins Gespräch gebracht hatte, berichtete ein führendes CSU-Mitglied. „Er hat das als ein Hineinregieren in seine Domäne gesehen.“ Stoiber habe deutlich gemacht, daß die Entscheidung über die der CSU zustehenden Ministerämter allein Sache der Partei sei. (Siehe auch: Kommentar: Wer bestimmt )

Haushalt erstes Thema in Verhandlungen

Müntefering über Merkels Ministerliste und den Beginn der Koalitionsverhandlungen

Die SPD hatte ihre Regierungsmannschaft für ihre acht Minsterposten in der vorigen Woche benannt. Wichtigster Mann im Kabinett dürfte für die SPD deren Parteichef Franz Müntefering sein, der Vizekanzler und Arbeitsminister werden soll.

Zudem stellt die SPD unter anderem mit Frank-Walter Steinmeier den Außenminister und mit Peer Steinbrück den Finanzminister. (Siehe auch: SPD nominiert Minister: „Zeichen von Ernsthaftigkeit“

CDU, CSU und SPD wollten am späten Nachmittag in großen Delegationen die Verhandlungen über die Bildung einer großen Koalition aufnehmen, die bis Mitte November abgeschlossen werden sollen. Im Zentrum der Beratungen sollte gleich zu Anfang die Sanierung des Bundeshaushalts stehen. (Siehe auch: Steinbrück kündigt jahrelanges Sparen an )

Arbeits- und Zeitplan für Koalitonsverhandlungen

Die Verhandlungen finden abwechselnd in den Parteizentralen von SPD und CDU statt. Zunächst treffen sich die Verhandlungsgruppen im Willy-Brandt-Haus.

In der ersten Sitzung dürfte ein Arbeits- und Zeitplan besprochen werden. Ziel ist es, die Gespräche am 12. November abzuschließen. Danach könnten die Ergebnisse von Parteigremien beschlossen werden - bei CDU und CSU auf Sonderparteitagen am 14. November, bei der SPD vom ordentlichen Parteitag vom 14. bis 17. November in Karlsruhe. In der Woche danach ist die Wahl der CDU-Vorsitzenden zur Bundeskanzlerin vorgesehen.

Text: FAZ.NET; ban.
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, FAZ.NET-Wenkemann, REUTERS

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Merkels Kabinettsbildung

Stille Regeln

Stoiber: Das Opfer von Merkels Verstoß?

Nur auf den ersten Blick ist Merkel selber zum Opfer jenes Prinzips geworden, ohne das sie selbst nicht als Kanzlerin einer großen Koalition akzeptiert worden wäre. Tatsächlich hat sie mit ihrem Regelverstoß für Glos Stoiber geschwächt. F.A.Z.-Korrespondent Johannes Leithäuser über Merkels Kabinettsbildung.

CSU

Zweifel an Stoiber: „Keine klare Linie“

Stoiber in der Kritik: “Teamarbeit ist erwünscht“

In der CSU mehren sich nach der Berufung Seehofers die Zweifel an der Führungskraft ihres Vorsitzenden Stoiber. „Wenn keine klare Linie erkennbar ist, dann wird der Partei auch keine Kompetenz zugesprochen“, sagt ein führender CSU-Abgeordneter.

Koalitionsverhandlungen

Schwarz-rote Annäherung

Spezial Einen Monat nach der Bundestagswahl nehmen Union und SPD Gespräche zur Bildung einer großen Koalition auf. Wo liegen Gemeinsamkeiten und wo sind ideologische Gräben möglicherweise unüberwindbar? FAZ.NET dokumentiert die Standpunkte der Verhandlungspartner.

Machtkampf mit Merkel

Stoiber nimmt Seehofer mit ins Kabinett

Mauscheln gegen Merkel? Zwei Bayern sorgen für Streit in der Union

Das CSU-Präsidium hat die Nominierung ihres Sozialpolitikers Seehofers zum designierten Agrar- und Verbraucherschutzminister gebilligt. Diese Personalie, der ein Machtkampf zwischen der künftigen Kanzlerin und Stoiber vorausgegangen sein soll, sorgt für Zündstoff innerhalb der Union. Am Mittag will Merkel die Ministerriege der Union bekanntgeben.

Vor den Koalitionsverhandlungen

SPD verteufelt „Merkel-Steuer“ nicht mehr

Macht sich Angela Merkel stark für höhere Steuern?

Autobahnen verkaufen? Eigenheimzulage abschaffen? Mehrwertsteuer erhöhen? Zumindest beim letzten Punkt scheint die SPD sich der Union schon freundlich anzudienen. Das Nein zur vermeintlichen „Merkel-Steuer“ gilt so klar nicht mehr.

Kanzleramtsminister

„Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß“

Thomas de Maizière: Merkel-Vertrauter im Kanzleramt

Merkels Überraschung in letzter Minute: Der neue Leiter des Kanzleramtes wird der sächsische Innenminister Thomas de Maizière. Unter Parteifreunden gilt der Merkel-Vertraute als „sehr disziplinierter Politiker und begeisterter Familienmensch“.

Kommentar

Wer bestimmt

Der Spielraum für Angela Merkel ist schmal, solange sie noch Kandidatin und nicht Kanzlerin ist. Vor allem hat sie jetzt auf die jüngeren Ministerpräsidenten ihrer Partei Rücksicht zu nehmen, für die auch Stoiber schon lange keine Leitfigur mehr ist.

Merkels Ministerliste

Keine Zeit zum Dampfablassen

Merkel und Stoiber: keine Zeit für Kritik

Bei der Entscheidung über die Ministerposten der Union muß Angela Merkel abermals auf Edmund Stoiber warten. Sehr zum Unmut ihrer CDU-Kollegen, die sich lieber mit Inhalten beschäftigen würden.

Union

Keine zehn Prozent des Haushalts

Schadet der CDU

Die CDU stellt die Kanzlerin - aber zu welchem politischen Preis. Die Partei ist erschrocken über die Kabinettsaufteilung - und hält CSU-Chef Stoiber und seine Geltungssucht für schuldig. Trost und Hoffnung findet die Union ausgerechnet bei der SPD.

Frank-Walter Steinmeier

Der Exekutant

Nah am scheidenden Kanzler: Franz-Walter Steinmeier

Mit dem Schröder-Vertrauten Steinmeier soll ein Spitzenbeamter deutscher Außenminister werden. Als Chef im Kanzleramt trat er selten in die Öffentlichkeit, schlichtete eher im Verborgenen und bewies sein Geschick, den politischen Willen eines anderen zu exekutieren.

Große Koalition

Union formuliert Inhalte und sortiert ihr Personal

Die Union will die Konsolidierung des Bundeshaushalts zum ersten Thema der Koalitionsverhandlungen mit der SPD machen, die am Montag nachmittag beginnen sollen. Zuvor wird die künftige Kanzlerin Merkel ihr Personaltableau preisgeben.

Richtlinienkompetenz

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Merkel: Die Kanzlerin gibt die Richtung vor?

Ein Koalitionspapier von Union und SPD regelt die Grundlagen einer Zusammenarbeit - von Richtlinienkompetenz ist nicht die Rede. Eine Kanzlerin Merkel, sagt ihr künftiger Minister Stoiber, werde künftig „kein klassisches Weisungsrecht“ haben, denn dies sei „nicht lebenswirklich“, fügt SPD-Chef Müntefering hinzu.

Regierungsbildung

Begrenztes Platzangebot

Entscheidungen, “wenn ich fertig bin mit Denken“

Wer in Angela Merkels Regierung welches Amt erhält, will sie bekanntgeben, wenn sie „fertig ist mit Denken“. Ihre Freiheit des Denkens wird jedoch durch zwingende Fristen und Umstände beschränkt.