Muslime in Deutschland

Wertestreit in der Islamkonferenz

Von Peter Carstens, Berlin

“Erwartet konkrete Vereinbarungen“: Innenminister Schäuble

"Erwartet konkrete Vereinbarungen": Innenminister Schäuble

13. März 2008 Für die Plenarsitzung der Deutschen Islamkonferenz (DIK) an diesem Donnerstag erwarten Teilnehmer einen offenen Streit über die Frage, wie Muslime ihr säkulares und religiöses Leben in Deutschland führen sollen. Die DIK will an diesem Donnerstag einen Zwischenbericht ihrer bisherigen Arbeit diskutieren.

Umkämpft waren in den vergangenen Wochen Formulierungen eines Thesenpapiers zum Verhältnis zwischen Muslimen und deutscher Gesellschaft. Vertreter der organisierten Muslime lehnten es ab, sich zu einer deutschen Werteordnung zu bekennen. Teilnehmer der Konferenz erwarten, dass es zu offenem Streit zwischen den Vertretern der orthodoxen muslimischen Organisationen des sogenannten „Koordinierungsrates“ und anderen Teilnehmern der Konferenz kommen werde.

Einfluss konservativer muslimischer Verbände

Der Unternehmer und Publizist Nakschbandi erklärte derweil seinen Austritt aus der Islamkonferenz. Einzelheiten dazu wollte er aber nicht nennen - „aus Respekt vor der Konferenz und vor Innenminister Schäuble“, wie er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte. Angeblich hatte er dem Innenministerium mitgeteilt, dass die Islamkonferenz sich wegen des Verhaltens der konservativen muslimischen Verbandsvertreter zu einer Farce entwickle, die dem Ansehen der vielen nicht in Verbänden organisierten Muslime massiv schade.

Dem Vernehmen nach hatte Nakschbandi allerdings selbst eher sporadisch an Sitzungen seiner Arbeitsgruppe teilgenommen. Eine der Vertreterinnen der nichtorganisierten Muslime, die Publizistin Necla Kelek, sagte hingegen der F.A.Z., sie werde „auf keinen Fall“ die Konferenz verlassen, sondern sich weiterhin dem Streit stellen.

Schäuble bleibt zuversichtlich

Frau Kelek rief dazu auf, das Thesenpapier in seiner ursprünglichen, von allen zunächst beschlossenen Fassung zu verabschieden. Darin war vom Grundgesetz die Rede, aber auch von den hierzulande geltenden Werten.

Seit die Verbände das nach anfänglicher Zustimmung wieder in Frage gestellt hatten, waren mehrere neue Entwürfe versandt worden. Innenminister Schäuble (CDU), der die Islamkonferenz im September 2006 einberufen hatte, zeigte sich nach Auskunft einer Sprecherin „zuversichtlich, dass es zu konkreten Vereinbarungen kommen wird“. (Siehe auch: Islamkonferenz: Am Tisch mit Islamisten und Orthodoxen)

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Greser&Lenz

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