"Gab es in der DDR etwa freie Berufswahl? Freien Zugang zu Hochschulstudiengängen unabhängig von der tadellosen Gesinnung der Eltern und Jugendlichen?" Hallo, Herr Seidl, Ich darf Ihnen leider nur in aller Kuerze sagen, so pauschal, wie Sie das hier gepostet haben, stimmt das einfach nicht, dafuer bin ich der lebende Beweis auf zwei (sehr sehr) aufrechten Beinen :-).
In Ihren Augen ist eine Gesellschaft, in der "die Besserverdienenden [...] endlich wieder ordentlich zu Kasse gebeten werden" also keine Diktatur? Und wie definieren Sie "soziale Gerechtigkeit"? Alle arbeiten für den gleichen (staatlich geregelten) Lohn?
Die bisherigen Kommentare zeigen deutlich,dass antilinks und antideutsch offensichtlich oft zwei Seiten derselben Medaille sind,so paradox das auch klingen mag.Was soll dieser ständige Vergleich mit dem Dritten Reich ? Wem zu allen Themen immer nichts besseres einfällt als der Vergleich mit der Hitlerzeit, die wir endlich hinter uns lassen sollten,hat offenbar ein sehr gestörtes Verhältnis zu Deutschland. Das scheint bei einigen Kommentaren offensichtlich der Fall zu sein.
Vielleicht war das Bild mit den Autobahnen für Manchen etwas zu weit hergeholt, Entschuldigung. Ich hatte es bemüht, weil so häufig zitiert um zu belegen, an der anderen deutschen Diktatur (um den Thread nicht noch einmal aufmachen zu müssen: Damit meine ich das Deutsche Reich zwischen 1933 und 1945) sei schließlich auch nicht alles schlecht gewesen. Die Argumentation von Herrn Fichtner für die DDR-Diktatur fand ich sehr analog.
Kein Wunder, habe ich doch anlässlich einer Übernachtung im "Naturfreundehaus" am Elberadweg bei Königstein in der Sächs.Schw. den Prospekt eines "DDR-Museums" in Pirna ausliegend gefunden. Deckseite: Schwarz-Rot-Gold mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz, darunter: "Für Frieden und Sozialismus seid Bereit! Immer Bereit!" wird ein fröhlicher "JP" mit Gruß gezeigt. Rückseite: Bild von "Walterchen" (Ulbricht) Untertitel: Wir kämpfen um den Titel: "Kollektiv der soz. Arbeit", ein Trabbi-Kabrio aus NVA-Beständen, die Fernsehfiguren: Sandmännchen, Pittiplatsch & Schnatterienchen. Eintrittspreise: 3,50, erm.: 2,50, Fam.: 8,00, alles EUR, nicht DDR-Mark und folgender Kommentar, Zitat: In der Ausstellung wird Ihnen in den authentischen Räumen der ehem. NVA-Kaserne in Pirna ein Einblick in das Leben in der DDR vermittelt...... Wir berichten über die Arbeit junger Pioniere, FDJ-ler, die NVA sowie den ABV, den wohl ziemlich jedes Familienmitglied kannte. Für Literaturbegeisterte ist ein Lesezimmer eingerichtet" Zitat ende! Kein Wort zu den Minenzäunen und den Grenztoten. Gehört das in die Auslage eines "Naturfreundehauses"? Ich muss auf die Wiedergabe des Kommentars der Heimleitung verzichte, da kein Platz mehr ist!
das ist doch nicht erschreckend. Seit der Schulreform Anf. der 70iger Jahre ist das Niveau in den Schulen stetig nach unten gegangen. Linke 68iger Lehrer sorgten dafür, dass geschichtlich nur 12 Jahre durchgenommen werden und die Bürger fortan mitgesenktem Kopf zu gehen hätten. Mehr kam in deutscher Geschichte fast nicht vor. Politikunterricht? Fehlanzeige. Als es den später wieder gab, war es auch nur Larifari. Das Wissen unserer Kinder über das eigene Land ist in jeder Hinsicht (auch geographisch) ein Desaster. Leider, trotz erneuter Reform anläßlich der PISA-Studie, ist das bis heute geblieben. Wir haben eine völlig unpolitische Generation (bzw. schon zwei). Aber das ist doch nur gut so und wohl auch gewollt. Ein dummes Volk läßt sich nun mal besser regieren und manipulieren. Die Elbe fließt doch nur in Hamburg, so sagte mir das mal ein Student. Den Thüringer Wald halten die meisten wohl für eine Mehlspeis zum Umhängen usw. usw. Wir führten das Turbo-Abi ein, aber Allgemeinwissen? Nach wie vor gleich Null. Aber so lange in Deutschland Reformen immer nur heißt "alles teurer und dafür schlechter" wird sich auch in diesem Bereich nichts ändern. Wissen tut man all dies schon lange, aber ändern will man es doch gar nicht
Dieses "erschreckende Unwissen" ist doch nur eine Fortschreibung. Konservative sind am "Geldverdienen" interessiert und haben doch seit rd. 30 Jahren im Bereich "Bildung" die Hegemonie des "fortschrittlichen Lagers" akzeptiert, das doch in der BRD `soft-on-ddr´war. Natürlich besteht im (links-)liberalen Milieu überhaupt kein Antrieb, hier für "Vergangenheitsbewältigung" zu sorgen, sodaß vor 2 Jahren ein de Bruyn irritiert äußerte, daß vorzugsweise diejenigen Intellektuellen im TV und anderswo zu Wort kämen, die eher mehr "DDR-Sympathie" repräsentierten. Bietet hier der Journalismus eine Korrektiv ? Wenn im Feuilleton der vermeintliche "idealistische Beginn" und die Klemperer-Biographie erwähnt werden, ohne auch nur mit einem Nebensatz die Tätigkeit des Aufbau-Verlages zwischen 1949 und 1989 zu streifen, ist das die Schere im Kopf. Und die funktionerit auch in der faz so gut, daß sich der Autor nicht einmal der Ironie bewußt ist, den ehem. Renommierverlag der DDR dafür zu loben, daß er NACH ´90 die Erinnerungen des (ehemal. DDR-Bürgers) Klemperer veröffentlichte. @frankhammer, das "Kümmern" gab es auch in "NaziDeutschland" und das war dennoch eine Diktatur.
Die Geschichtsvergessenheit bezüglich der DDR und die Verharmlosung der SED-Diktatur sind nicht nur ein ostdeutsches, sondern ein gesamtdeutsches Phänomen. So ist die CDU, trotz zur Schau gestellter Empörung über die Koalitionspläne von Frau Ypsilanti, gerade selbst dabei, die Linkspartei als potentiellen Koalitionspartner zu entdecken. Vergangene Woche konnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer im MDR-Rundfunk die Basisarbeit der Linkspartei über den grünen Klee loben, ohne dass Frau Merkel, Herr Pofalla oder sonst ein CDU-Spitzenpolitiker ihm widersprachen. In Schwerin erfuhr die CDU gestern Lob vom Linke-Chef Peter Ritter wegen der "guten Zusammenarbeit in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus". Es stört die CDU offenbar nicht, dass sie sich im Kampf gegen den Rechtsextremismus mit Linksextremisten verbündet. In der ARD-Talkshow mit Anne Will ließ kürzlich das ehemalige SED-Mitglied und heutige Mitglied der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Dagmar Enkelmann, den Satz fallen: "Auch ich finde, diese Demokratie löst die Probleme der Menschen nicht." Widerspruch seitens der moderierenden Frau Will? Fehlanzeige! Wen wundert es da noch, dass die Linkspartei heute drittstärkste Partei in Deutschland ist?
Leider ist eine fast ganze Generation junger Deutscher nicht unterrichtet über den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur. Und daher schreiben auch soviele Leserkomentatoren - und Professionelle - Über China, ohne auch nur einmal zu erwähnen, dass China eine Kommunistische Regierung hat. Ob ein Bericht über China oder die Ex-"DDR" sogeschrieben wird, dass nie der Kommunismus genannt wird, zeigt doch, dass solche Berichte entweder absichtlich falsch geschrieben werden oder ganz einfach aus Unkenntnis. Sie haben in diesem bericht von der Vereinigung und nicht von der Wiedervereinigung geschrieben. Aber diese falsche Geschichtssicht kommt vom Genscher.
Meiner Meinung nach war die DDR eine Diktatur. Allerdings sind die Kommentatoren unter mir,die jetzt wieder auf der Linkspartei herumhacken, einzig und allein von der Besorgnis getrieben,dass durch den Einfluss der Linkspartei vielleicht wieder etwas mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland hergestellt wird und die Besserverdienenden in diesem Land endlich wieder ordentlich zu Kasse gebeten werden.
.... Sie haben immer noch tatsaechlich die Wahl, Ihre im vereinigten Deutschland gewonnene Reisefreiheit auszunutzen und nach Kuba auszuwandern. Dort finden Sie Lebensbedingungen, die ebenso "frei" sind wie in der ehemaligen DDR. Ihre offenbarte Praeferenz, weiter in einem Land zu sein, wo Sie nicht mehr gezwungen sind zu wohnen, zeigt, dass Ihre Worte billiger sind als Ihre Taten.
Es ist also nötig, dass man etwas aktiv miterlebt hat, um etwas beurteilen zu können. Wer nach der Wende geboren ist, braucht die Geschichte nicht mehr genau zu kennen. Die DDR war ein Wohlfahrtsstaat, in dem jeder nicht nur arbeiten durfte - es war nicht nötig, dabei produktiv zu sein - und man durfte dem Chef auch die Meinung geigen. Von beidem sind heute die meisten ausgeschlossen. Wie war das mit dem aktiv miterleben. Ca. 80 Mio. Einwohner und gut 3 Mio Arbeitslose! Die Jahre zw. 1933 - 45 hat kaum noch einer miterlebt, aber kaum einer wird bestreiten, dass diese Jahre nicht ganz so gut waren (auch für den Rest der Welt). Aber da hat die Bildung auch in der DDR wenigstens hingehauen. Der Westen hat die Mauer errichtet? Wenn man heute manchen aus dem ehemaligen Nachbarland hört - was das mit Perspektive zu tun hat, ist mir ein Rätsel - ist man geneigt zu sagen, was ja nicht ist, kann ja noch werden. Zumindest besteht dann die Möglichkeit, die blühenden Landschaften wieder runterzuwirtschaften.
Diktatur ist fuer meinen Geschmack der falsche Ausdruck fuer den Zustand der DDR. Das Wort Diktatur stammt selbstverstaendlich von "diktieren" ab und beschreibt somit die Tatsache, das freie Meinungsbildung unterbunden wurde und das kann ich bedenkenlos unterschreiben, wenn wir ueber die DDR reden. Allerdings sehe ich auch die andere Seite, auf welcher man in einer Diktatur hungert, bildungstechnisch vernachlaessigt wird und der Fokus ausschliesslich auf Politische Ebene gelenkt wird. Meine Jugend in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) war nicht von Hunger gepraegt. Es gab taeglich kostenlose Verpflegung in der Schule und auch meine Mutter hatte im Beruf kostenlose Verpflegung. Nebst politischem Fokus wurde aber auch auf den Aufbau und Erhalt der Spielplaetze geachtet (Etwas wo man heute noch dran arbeiten muss!), Kinderbetreuung war kein Problem und auch fuer Kinder mit mangelnder Schulbildung wurden Uebungsgruppen gebildet, die ausserhalb der Schule aufholten, was man verpasst oder nicht verstanden hatte. Solcherlei Gesellschaftlichen Aspekte kann ich mir in einer Dikatur wie in Dafur, Irak oder dem Nazi Deutschland nicht vorstellen. In sofern sehe ich das Wort "Diktatur" im Zusammenhang mit der DDR eher ungluecklich.
Ich wohnte in Potsdam und mein Eindruck, der sich daher allerdings auf die Brandenburgische Hauptstadt beschränkt, ist überhaupt keine Verklärung der DDR. Es wird nüchtern zB. gesagt, dass man immer Optimist sein musste, mit dem Unterton, dass die "Älteren" diese Verhaltensweise jetzt nach Bedarf "rauskramen" können, aber keiner mehr dauernd ausüben müss.
"Und von Argumenten à la "hat doch die Autobahnen gebaut" wird sie (die DDR - E.) nicht besser." Mit Verlaub, Herr Schaefer, welche Autobahnen? Die DDR hat den "Berliner Ring" geschlossen (weil man die eingesperrten DDR-Buerger bei ihrer Fahrt an die Ost-Ostsee ja schlecht durch Westberlin "transiten" wollte (der befuerchtete "Transitschwund" waere sicherlich nicht unerheblich gewesen) und gegen Ende Ihrer Tage die Autobahn Berlin-Hamburg, gegen harte Devisen, versteht sich. Habe ich da etwas verpasst (die A4 Dresden-Bautzen war gegen Ende der DDR in einem so schlechten Zustand, dass sie teilweise bis auf 60 km/h begrenzt wurde und viele Trabi- und Wartburgfahrer die (nahezu) parallel laufende F (in der DDR hiess das naturlich "Fernverkehrs"- und nicht "Bundesstrasse" :-)) 6 in die Oberlausitz befuhren).